Banner
BayernJudo.de: Gerhard Fleißner: „Ausbau von Breitensport und Leistungssport“
Verband
Donnerstag, 8.4.2010 - 22:29 Uhr

Verbandstag 2010

Gerhard Fleißner: „Ausbau von Breitensport und Leistungssport“

Gerhard Fleißner, der beim Verbandstag 2010 wieder für das Amt des BJV-Präsidenten kandidiert, steht Rede und Antwort.

Herr Fleißner, Sie haben letztes Jahr Ihren Rückzug vom Präsidentenamt angekündigt. Jetzt treten Sie beim Verbandstag doch wieder für eine weitere Amtszeit an. Warum haben Sie sich noch einmal anders entschieden?


Gerhard Fleißner
Nach etlichen Querelen habe ich mich am 13. Juli 2009 entschlossen, beim Verbandstag 2010 nicht mehr zu kandidieren. Es handelte sich nicht um einen spontanen Entschluss. Vielmehr ist der Gedanke mit Ablauf der Amtszeit nicht mehr zu kandidieren, besonders unter dem Eindruck der Präsidiumssitzungen Mai bis Juli, gewachsen. Mein Ziel war es dann, möglichst viel für den Bayerischen Judo-Verband zu erledigen bzw. zu vollenden, um keine Lücken in irgendwelchen Bereichen zu hinterlassen.

Allerdings wurde ich im Herbst weiter massiv angegriffen. Dies endete am 29.12.2009 in einem Mailverkehr, in dem ich als Präsident dahingehend angegriffen wurde, dass ich nicht zum Wohle des BJV arbeite. Des Weiteren wurden neun Personen aus meinem Freundeskreis mit großen finanziellen und materiellen Unterstützungsleistungen für den Bayerischen Judo-Verband einbezogen. Nach längerem Überlegen habe ich dann am 06. Januar 2010 die Entscheidung über eine neue Kandidatur als Präsident gefällt. Denn wenn die neue Amtszeit mit so viel Ahnungslosigkeit und Unwahrheiten oder Halbwahrheiten läuft, wie soll da der Bayerische Judo-Verband geführt werden. Oder handelt es sich hier gar um gezieltes Mobbing? Die Entscheidung fiel für eine weitere Kandidatur.

Ich möchte damit auch zeigen, dass ich sehr wohl zum Wohle des Bayerischen Judo-Verbandes arbeite und auch die noch anstehenden Arbeiten fortführen will. Ich informierte zuerst Raimund Kronawitter über diese Entscheidung und dann im Anschluss die Bezirksvorsitzenden und die Mitglieder des erweiterten Gesamtvorstandes.


Warum sind Sie die richtige Person für das Amt?

Die positiven Kommentare von unseren Partnern (DJB, OSP, BLSV, Kultusministerium) bezüglich meiner strukturellen und konzeptionellen Arbeit bestätigen mich in meiner Arbeit.
Des Weiteren kann ich im Mai 2010 auf eine erfolgreiche Arbeit über drei Jahrzehnte als stellvertretender Kampfrichterobmann, als Kampfrichterreferent, als Vizepräsident und als Präsident zurückblicken. Nicht nur der Erfolg ist hier entscheidend, auch die Akzeptanz dieser Arbeit durch unsere Partner ist sehr wichtig.
Zudem liegt der zeitliche Vorteil auf meiner Seite. Denn wer kann in der heutigen Zeit pro Jahr ca. 80 Dienstreisen, die zum großen Teil unter der Woche liegen, plus die administrative Arbeit zu Hause überhaupt noch leisten?

Bisher habe ich in alle ausgeführten Ämter Herzblut, Engagement und viel Zeit investiert und positive Entwicklungen zum Wohle des Bayerischen Judo-Verbandes erreicht. Das gilt vor allem für das Amt des Präsidenten.


Mit Raimund Kronawitter gibt es einen weiteren Kandidaten für das Präsidentenamt. Befürchten Sie, dass Ihre erneute Kandidatur den BJV vor eine Zerreißprobe stellt? Warum?

Warum sollte meine erneute Kandidatur den Bayerischen Judo-Verband vor eine Zerreißprobe stellen? Ist es nicht Demokratie, wenn zwei Kandidaten für einen Posten bereit stehen? Die Wähler haben doch in dieser konkreten Situation die Wahlmöglichkeit zwischen sehr unterschiedlichen Charakteren und jeder wird auf seine Art einen Weg gehen.


Bevor wir konkreter werden, eine ganz allgemeine Frage: Wie sehen Sie das Amt des BJV-Präsidenten?

Der Präsident ist der Kopf des Verbandes, er ist die Schnittstelle zu den Partnern wie Olympiastützpunkt, BLSV und Kultusministerium in Bayern sowie zum Deutschen Judo-Bund auf nationaler Ebene. Er muss Kontakte zu neuen Partnerschaften wie Sponsoren etc. knüpfen und Verbindung zu den bisherigen Partnern/Unterstützern halten. Das Zusammenspiel zwischen Präsident, den Ressortleitern und den Bezirksvertretern ist nicht ganz einfach, da die genannten Funktionäre in der Regel eigenständig arbeiten - ein Problem, das ich seit vielen Jahren kenne. Meinen Vorgängern wie auch mir seit 1996 als damaliger Vizepräsident gelang es nicht umfassend, hier ein zielgerichtetes „WIR“ für den Bayerischen Judo-Verband zu erreichen. Die beste Zusammenarbeit war immer dann gegeben, wenn man sich in die Arbeit der Ressortleiter und Bezirksvorsitzenden nicht einmischte.

Auf sportpolitischer Eben muss der Präsident auf einer Augenhöhe mit dem BLSV und dem DJB stehen. Dazu ist sehr viel Erfahrung erforderlich.


Wenn Sie auf die letzten zwei Jahre blicken - wo sehen Sie die wesentlichen Erfolge?

Die sehr positive und sehr offene Zusammenarbeit mit den Leistungssportlern, den Eltern, den Trainern und den Funktionären in diesem Bereich. Hier konnte ich auch eine gute Präsentation unserer Nachwuchsstars und unserer Sportbotschafter im Rahmen der Sportstiftung Bayern abliefern.

Die Erfolge der Leistungssportler und der Sportler aus dem G-Judo.

Die Vielzahl der Konzepte und Anträge an unsere Partner und daraus folgend die hohe Anerkennung im strukturellen und konzeptionellen Arbeiten.

Die problemlose Umsetzung der neuen Prüfungsordnungen im Kyu- und Dan-Bereich.

Die große finanzielle und materielle Unterstützung aus meinen Freundeskreis für den Bayerischen Judo-Verband bei den drei Deutschen Judo-Einzelmeisterschaften in Bayreuth und bei der Finanzierung der „Einmaleinlage“ für die Sportstiftung Bayern.


Was ist nicht so gut gelaufen?

Der Umgang des Verbandes mit dem sexuellen Missbrauch, insbesondere im „Passauer Fall“.

Die Ablehnung meines Antrages an den DJB wegen einer weiteren Trainerstelle (Trainermischfinanzierung) am BSP-N München.

Die Ablehnung aus finanziellen Gründen der seit der Klausurtagung 2007 von den Ressortleitern und Bezirksvorsitzenden geforderten Landestrainerstelle ab 2010.

Die „Streichung“ des BJV-Reiseservice.


Worauf legen Sie die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit, wenn Sie als BJV-Präsident wiedergewählt werden?

Aufbau eines „Schutzwalles“ gegen sexuellen Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen in unserem Verband mit allen Varianten, die wir leisten können.

Intensivierung der breitensportlichen Arbeit im Kinder- und Jugendbereich. Und als eine der wichtigsten Voraussetzungen: Halten und Qualifizierung von Judoka im Alter von 25–45 Jahre bei unserer Sportart.


Und wo sehen Sie die Schwerpunkte für den BJV in den nächsten zwei Jahren?

Ausbau des Leistungssports weiter nach oben auf die internationale Ebene.

Ausbau des Breitensports und Teilnahme an BLSV-Events, um unsere Sportart als Budo-Sportart Nr. 1 in Bayern zu präsentieren.


Was wollen Sie in den nächsten zwei Jahren verbessern?

Das breitensportliche Angebot und die Präventionsarbeit insgesamt.


Wie wollen Sie dabei Vereine und Bezirke einbinden?

Durch umfassende Informationen wie bisher und Einbindung in Workshops/Arbeitskreise auf kleiner Ebene. Die „Anregungen von oben“ wirkten in den vergangenen Jahren nicht förderlich.

Die Vereine werden selbstverständlich auf einer freiwilligen Basis eingebunden. Die Angebote des Verbandes müssen interessant sein und dürfen nicht mit Arbeit u.ä.m. überfrachtet werden, sie müssen mit Freude und möglichst aus Eigeninitiative angenommen werden können.


Mit welchem Team wollen Sie antreten? Werden die bisherigen Mitglieder des Gesamtvorstandes zur Verfügung stehen, wenn Sie gewählt werden? Oder wird es Änderungen geben?

Nach meinen bisherigen Erkenntnissen wollen ein Ressortleiter und die Schatzmeisterin nicht mehr unter meiner Führung weiterarbeiten, der Rest steht weiter hinter mir. Die Kassenführung ist gesichert. Wie oben schon mal erläutert, wird sich das entsprechende Ressort selber weiterentwickeln. Ein „von oben“ diktierter Ressortleiter würde sowieso nicht akzeptiert.

Die Position eines Vizepräsidenten soll mit Sven Keidel neu besetzt werden.


Es wird gelegentlich der Wunsch laut, einen weiteren hauptamtlichen Trainer oder auch einen hauptamtlichen Verbandskoordinator (wie in einigen anderen Landesverbänden) einzustellen. Sehen Sie die Möglichkeit dafür?

In unserem Verband haben sich gemäß unserer Satzung alle Funktionäre für eine ehrenamtliche Arbeit bereit erklärt bzw. zur Wahl gestellt. Je nach Amt und Qualifikation gibt es viele Möglichkeiten, als Trainer oder als Referent, z.B. in der Jugendbildung, im Breitensport und vielen anderen Maßnahmen, Honorare zu erhalten.

Die Einstellung eines weiteren hauptamtlichen Trainers ist derzeit aus finanziellen Gründen nicht machbar. Einen hauptamtlichen Verbandskoordinator kann sich der BJV ebenfalls derzeit nicht leisten. Hier ist es denkbar, eine Einstellung auf der Basis einer gewissen „Mischfinanzierung“ Verband/Bezirk oder Verband/Verein oder aus kleinem Gehalt und Provision durchzuführen.

Der Vergleich zu anderen Landesverbänden hinkt hier in der Regel, da in anderen Landesverbänden hauptamtliche Stellen z.B. vom Landessportbund oder vom Bundesland finanziert werden. Das ist in Bayern nicht möglich!


Haben sich vor diesem Hintergrund nicht durch die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften in Bayreuth die finanziellen Handlungsmöglichkeiten des BJV eingeschränkt?

Es ist uns nicht gelungen, bei der Ausrichtung der Deutschen Einzelmeisterschaften in Bayreuth ab der DEM 2009 in die schwarzen Zahlen zu kommen, der Zuschauerzuspruch blieb weit unter den Erwartungen. Aus den Mitteln (ca. 1,7 % unseres Jahresetats), die wir zur Ausrichtung der DEM zuschießen mussten, könnten wir uns nicht annähernd einen weiteren Hauptamtlichen leisten.

Die von mir Anfang September 2009 vorbereitete Vereinbarung mit dem TSV Großhadern zu einer Mischfinanzierung wurde nicht geschlossen, der Antrag an die Landeshauptstadt München in der Folge der Abgabe des Leistungssportkonzeptes an die Stadt wird voraussichtlich erst Mitte des Jahres beschieden.


Wird auf absehbare Zeit eine Beitragserhöhung nötig sein, um den Rückgang der Mitgliederzahlen und die neuen Wünsche an den BJV, wie zum Beispiel neue hauptamtliche Mitarbeiter, auffangen zu können?

Für mich ist es absolut der falsche Weg, einen Mitgliederrückgang durch höhere Beiträge aufzufangen und damit die neuen Wünsche (???) auffangen zu können. Wofür brauchen wir mehr hauptamtliche Mitarbeiter, wenn wir immer weniger Mitglieder haben?

Wir müssen uns durch eine begeisternde Jugendarbeit in der Sportlandschaft in Bayern präsentieren. Judo muss wieder eine Sportart werden, die Interesse weckt und im Trend der Zeit liegt.


Welchen Stellenwert messen Sie dem Breitensport – der von der größten Zahl der Vereine praktiziert wird - im BJV zu und warum?

Der Breitensport ist für mich die Basis aller weiteren Entwicklungen im Bayerischen Judo-Verband.

Mit einer guten und vor allem zielorientierten Arbeit im Breitensport gewinnen wir wieder neue Mitglieder - ein dringendes Erfordernis. Wir generieren daraus engagierte Trainer und Funktionäre. Und letztendlich gewinnen wir aus der großen Breite des Breitensports unsere Leistungssportler.


Welchen Stellenwert messen Sie im Vergleich dazu dem Leistungs- und Spitzensport im BJV zu? Wird sich der BJV diesen auf Dauer leisten können oder wollen?

Leistungssport ohne Breitensport gibt es nicht.

Der Leistungssport steht weit oben und sollte das Zugpferd für unsere Breitensportler sein. Ein Ziel, das für leistungsorientierte Nachwuchsjudoka erstrebenswert ist. Ohne Leistungssport fehlt uns, einer olympischen Sportart, bald die Förderung des bayerischen Staates und des Spitzenverbandes. Denn ohne Erfolge auf nationalen und internationalen Meisterschaften in den Altersklassen U17 und U20 fallen wir in der Bewertung zurück. Dann werden vor allem die Trainermittel gekürzt bzw. gestrichen und unsere hauptamtlichen Trainer verlieren ihre Arbeitsstellen.

Der Bayerische Judo-Verband wird sich den Leistungssport noch lange leisten können, da wir je nach Haushaltslage reagieren können. Allerdings müssen zunächst in erster Linie die Athleten und Athletinnen und deren Eltern erst mal investieren, um nach oben zu kommen. Unsere Förderung setzt erst relativ hoch bei einem Umzug in das Haus der Athleten in München ein.

Am 20. März 2010 hat der BLSV die Sportstiftung Bayern gegründet. Hier erwarten wir für unsere Top-Nachwuchsstars ab 2011 eine entsprechende Förderung.


Ein anderes Thema: Es gab durch den Passauer Missbrauchsfall zum Teil viel Aufregung im Verband. Wie wollen Sie mit dem Thema Missbrauch in Zukunft umgehen?

Für mich darf es keinen Vertrauensbruch und daraus folgend Missbrauch bei der Betreuung, beim Training mit Kindern und Jugendlichen geben. Unsere bisherigen Zuständigkeiten und Möglichkeiten haben im „Passauer Fall“ nicht gegriffen, ich selber habe möglicherweise zu lange gezögert.

Die Prävention wird künftig weit oben stehen, es werden entsprechende Skills erarbeitet und die verantwortlichen BJV-Funktionäre, in deren „Stellenbeschreibung“ die Verantwortung für Prävention fixiert ist, müssen dann auch die Verantwortung übernehmen. Ein erster Schritt mit der Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses zur Anmeldung für die Trainerausbildung ist getan.


Was machen Sie, wenn Sie nicht als BJV-Präsident gewählt werden?

Es werden einige Wochen vergehen, bis ich alles abgearbeitet habe. Beim Leistungssportler würde man das auch „rücktrainieren“ nennen.
Über einen gewünschten Zeitraum stehe ich für die Einarbeitung des Nachfolgers zur Verfügung. Mein Herz wird weiter für den Judo-Sport schlagen.

Und privat gibt es auch einiges aufzuarbeiten, für das bisher wenig Zeit blieb. Auch ohne die tagesfüllende Arbeit im Präsidentenamt wird mir nicht langweilig werden.


Und wenn Sie gewählt werden - was würden Sie Ihrem Mitbewerber Raimund Kronawitter mit auf den Weg geben?

Sein Engagement weiter für den Judo-Sport einzusetzen.



Zum Interview mit Raimund Kronawitter

Gert Langrock
BJV-Presseteam

[Druckansicht]

MEHR ZUM THEMA:

Verbandstag 2010 in Rosenheim
Grußwort des BLSV-Sportbeiratsvorsitzenden Rainer Riedel

Verbandstag 2010 in Rosenheim
Raimund Kronawitter mit 58,6 % der Stimmen zum BJV-Präsidenten gewählt

Verbandstag 2010 in Rosenheim
BJV hat neue Führung

Verbandstag 2010
Raimund Kronawitter: „Moderieren und zusammenführen“

Verbandstag 2010
Interviews mit Gerhard Fleißner und Raimund Kronawitter

SUCHE: