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BayernJudo.de: Raimund Kronawitter: „Moderieren und zusammenführen“
Verband
Donnerstag, 8.4.2010 - 22:28 Uhr

Verbandstag 2010

Raimund Kronawitter: „Moderieren und zusammenführen“

Raimund Kronawitter, der beim Verbandstag 2010 für das Amt des BJV-Präsidenten kandidiert, steht Rede und Antwort.

Herr Kronawitter, Sie haben sich 2004 als Vize-Präsident des BJV zurückgezogen. Jetzt treten Sie sechs Jahre später als Kandidat für das Präsidentenamt an. Woher kommt die neue Lust am Spitzenamt?


Raimund Kronawitter
Mein Ausscheiden aus dem Präsidium hatte 2004 ganz spezifische persönliche Gründe. Die Freude an unserem Sport und mein Engagement hatte jedoch weiter Bestand, so dass ich mich weiterhin sowohl als Kampfrichter, vor allem aber auch als Bezirksvorsitzender der Oberpfalz und in verschiedenen Aufgaben beim Deutschen Judo-Bund engagiert habe.

Nach der Bekanntmachung des Präsidenten Gerhard Fleißner im Sommer vergangenen Jahres nicht mehr für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung zu stehen, ist die Frage nach seinem Nachfolger im Verband intensiv diskutiert und von verschiedenen Seiten auch an mich gestellt worden.

Nach intensiver Überlegung und einem Gespräch mit Gerhard Fleißner im November 2009 habe ich mich entschieden in seiner Nachfolge als Präsident zu kandidieren und ich stehe zu meiner Entscheidung. Dies in der festen Überzeugung, dass ich für den Verband viel bewirken kann und möchte. Insbesondere das Miteinander in der Verbandsführung ist aus meiner Sicht verbesserungsfähig und daran möchte ich arbeiten. An dieser Überzeugung hat sich auch nach der Entscheidung von Gerhard Fleißner für eine erneute Kandidatur nichts geändert.


Warum sind Sie die richtige Person für das Amt?

Seit meinem 13. Lebensjahr bin ich im Judo aktiv – somit nahezu 40 Jahre. Unser Sport war lebensbegleitend für mich und hat mir viel gegeben. Nicht nur als aktiver Judoka, sondern auch in meinen vielfältigen Funktionen im Bezirk (z.B. nunmehr über 10 Jahre als Bezirksvorsitzender) oder als Kampfrichter seit 1983 (u.a. Bezirks-KRO, Gebiets-KRO Nord) und natürlich auch in den Jahren als BJV-Vizepräsident sowie bei den Aufgaben im Deutschen Judo-Bund als Kassenprüfer habe ich viele Freunde in allen Bereichen gefunden und wertvolle Kontakte sind entstanden.

Ich habe gelernt, wie wichtig das Ehrenamt in unserem Leben und für unseren Verband ist und trotz aller „Professionalität“ bleibt es eine Aufgabe, die wir alle mit Herzblut und innerer Überzeugung auf uns nehmen. Meine langjährigen Erfahrungen in diesen unterschiedlichen Gremien und Ämtern und das Feedback, dass ich von vielen Seiten in diesen Jahren erhalten habe, geben mir die Gewissheit, dass ich für den Verband und diese Aufgabe der Richtige bin.


Mit Gerhard Fleißner gibt es einen weiteren Kandidaten für das Präsidentenamt. Befürchten Sie, dass Ihre Kandidatur den BJV vor eine Zerreißprobe stellt? Warum?

Sicherlich ist die Situation nach der erneuten Kandidatur von Gerhard Fleißner („den Rücktritt vom Rücktritt“ wie es immer wieder genannt wird) für den Verband und seine Mitglieder nicht einfach. Wie bei allen Wahlen, in denen es mehrere Kandidaten gibt, müssen nun die Wahlberechtigten eine Entscheidung treffen. Dass dies in vielen Fällen zu Diskussionen führt, ist eine Folge der aktuellen Situation und belastet sicherlich auch in Teilen die derzeitige Arbeit im Verband. Ich bin mir jedoch sicher, dass nach dem Verbandstag wieder der Erfolg und die Zukunft des BJV im Mittelpunkt der Gespräche und Aktivitäten stehen werden. Das sind wir unseren Mitgliedern schuldig.


Bevor wir konkreter werden, eine ganz allgemeine Frage: Wie sehen Sie das Amt des BJV-Präsidenten?

Die vielfältigen Aufgaben eines Verbandspräsidenten in wenigen Sätzen zu fassen ist schwierig bzw. es wäre zu einfach auf die aktuelle Geschäftsverteilung hinzuweisen. Insofern darf ich versuchen, mein Verständnis dieser Aufgabe zu beschreiben.

Als Präsident des BJV hat man als erstes die offizielle Aufgabe den Verband zu führen. Was verstehe ich darunter? Mein Verständnis und meine langjährig erfolgreich praktizierte Art von Führung – geprägt auch aus meiner beruflichen Führungsverantwortung und meiner Funktion als langjähriger Bezirksvorsitzender – besteht darin, ein Team (in diesem Falle das Präsidium bzw. den GV) zu einer gemeinsamen Zielerfüllung zu leiten. Leiten jedoch im Verständnis von moderieren und zusammenführen.

Als Präsident ist man BJV-intern im Zweifelsfalle Integrationsfigur und muss versuchen, alle, ggf. auch unterschiedlichen, Meinungen und Ansichten zu vereinen und damit für den Verband und seine Mitglieder das Beste zu erreichen. Sicherlich gilt es auch Entscheidungen zu treffen. Diese sollten soweit als irgend möglich in Übereinstimmung mit allen Beteiligten erzielt werden. Der Präsident ist nach meiner Meinung NICHT der alleinige Entscheider oder benötigt gar persönliche Weisungsbefugnis. Insofern unterscheide ich mich von meinem Mitbewerber – sehe dies aber als einzig möglichen und besten Weg der Verbandsführung.

Als Präsident ist man darüber hinaus im Außenverhältnis – neben den Vizepräsidenten - einer der offiziellen Vertreter des BJV. Hier sehe ich die Herausforderungen sich gemäß den Absprachen im Präsidium in den jeweiligen Gremien des DJB und BLSV im Sinne des BJV einzubringen und unsere Interessen nachhaltig zu vertreten, um für uns und unsere Sportler das Beste zu erreichen.


Wenn Sie auf die letzten zwei Jahre blicken - wo sehen Sie die wesentlichen Erfolge?

In den vergangenen 2 Jahren ist es dem Präsidium/Gesamtvorstand und seinen Mitgliedern sowie den beteiligten Vereinen im Großen und Ganzen gelungen Strukturen im BJV zu schaffen, die Grundlage sein können für Erfolg und gemeinsames Arbeiten. Insbesondere die Festlegung von Stützpunkten auf den verschiedenen Ebenen des BJV und die damit verbundene „Konzentration der Kräfte“ bilden für unsere leistungsorientierten Judoka ein gutes Umfeld für erfolgreiches Training. Darüber hinaus hat die Aus- und Fortbildung unserer Trainer, Kampfrichter und anderer Übungsleiter an Qualität gewonnen und ermöglicht somit nicht nur ein breites, sondern auch spezifisches Spektrum an Wissensvermittlung.


Was ist nicht so gut gelaufen?

Ich könnte mehrere einzelne Punkte nennen, wie z.B. unsere Ergebnisse im Leistungssport, das fehlende Sponsoring oder auch eine „Überbürokratisierung“ im Verband. Wesentlich für mich ist aber, dass trotz oder gerade wegen der vielfältigen Bemühungen um Strukturen und deren Festlegung in Teilen der Bezug zur Verbandsbasis verloren gegangen ist. Es ist nicht gelungen, den Nutzen und die Vorteile der Arbeit in den vergangenen Jahren bei allen im BJV richtig zu vermitteln. Vielleicht war auch die Veränderungsgeschwindigkeit zu schnell und die dazu gehörende Kommunikation nicht ausreichend genug, um breite Zustimmung bzw. allgemeines Einverständnis zu den getroffenen Entscheidungen zu erreichen.


Worauf legen Sie die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit, wenn Sie als BJV-Präsident gewählt werden?

Wie schon betont, ist Erfolg das Ergebnis einer gemeinsamen Arbeit. Insofern sehe ich den Schwerpunkt meiner Aufgabe zunächst mal darin, im Sinne eines gemeinsamen Führungsteams im Verband deutlich mehr als bisher für den Gleichklang im Präsidium und Gesamtvorstand Sorge zu tragen. Meinungsverschiedenheiten gehören intern ausdiskutiert und nicht in der Öffentlichkeit zur Schau getragen. Ich sehe mich deshalb in erster Linie als „Integrationsfigur“ in der Rolle als BJV-Präsident.


Und wo sehen Sie die Schwerpunkte für den BJV in den nächsten zwei Jahren?

Wenn man zurückblickt und sich z.B. die Medaillenspiegel oder die Zahl der DJB-Kadermitglieder betrachtet, so sind wir mit den sportlichen Erfolgen für den BJV in den letzten Jahren im Vergleich zu anderen Landesverbänden erheblich zurückgefallen. Deshalb muss es uns gelingen, die geschaffenen Strukturen vermehrt mit Leben zu füllen und die Erfolge dieser Arbeit einzufahren. Das heißt, wir müssen die leistungsorientierten Judokas in unsere Stützpunkte/Leistungszentren bringen und damit dem Nachwuchs Entwicklungsmöglichkeiten verschaffen. Nur so legen wir den Grundstein für den Erfolg unserer nachwachsenden Jugend. Hierfür ist eine gewisse „Verschnaufpause“ in strukturellen Änderungen notwendig, damit sich alle – Vereine und Sportler – an die Möglichkeiten gewöhnen und sie nutzen. In gleicher Weise gilt es, der bisher aus meiner Sicht zu kurz gekommenen Breitensportarbeit auch als Präsident wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken.


Was wollen Sie in den nächsten zwei Jahren verbessern?

Ich denke, es gilt in erster Linie wieder alle Beteiligten „in das gemeinsame Boot“ zu holen und die Basis – sowohl Vereine als auch Sportler – in den Entscheidungsprozess mehr mit einzubinden. Sicherlich ist Basisdemokratie kein leichtes Unterfangen und bedarf manchmal auch einer sehr intensiven Diskussion. Jedoch muss es unser gemeinsames Ziel bleiben, ein möglichst breites Einverständnis im Verband zu erreichen. Dazu müssen wir auch wieder vermehrt die Interessen der Vereine als tragende Säulen des Verbandes in den Fokus der Verbandsführung mit aufnehmen und auch bei sportpolitischen Entscheidungen berücksichtigen.

Zweitens muss das Engagement im Ehrenamt wieder deutlicher gemacht werden. Jeder im Verband, der sich ehrenamtlich engagiert, verdient Anerkennung, denn er gibt im Rahmen seiner Aufgabe sein Bestes. Das sollten wir nicht verkennen und deshalb mit Kritik und Verbesserungsvorschlägen angemessen umgehen. Ich denke, jeder ist aufgeschlossen, wenn Hinweise begründet und Anregungen sinnvoll sind. Hierfür möchte ich mich in besonderer Weise einsetzen.


Wie wollen Sie dabei Vereine und Bezirke einbinden?

Um Vereine und Bezirke einzubinden, möchte ich zuallererst „zuhören“. Das bedeutet aber auch in der Folge die Hinweise und Erfahrungen der Basis ernst zu nehmen. Wie schon erwähnt sind meiner Meinung nach die Vereine die Basis erfolgreichen Arbeitens. Hier wird Judo vor Ort gelebt und diesen Breitensport brauchen wir, um in der Spitze erfolgreich zu sein. Durch geeignete Motivation müssen wir es schaffen, dass über die Bezirke die Vereine wieder mehr am Verbandsgeschehen teilhaben und sich einbringen. Als Bezirksvorsitzender bin ich ganz besonders der Auffassung, dass der Bezirk das Bindeglied zwischen der Verbandsführung und der Vereinbasis ist, weshalb ich das Ziel habe, die Bezirksvertreter in den verschiedenen fachlichen Gremien verstärkt einzubinden bzw. zur Teilnahme einzuladen.


Mit welchem Team wollen Sie antreten? Werden die bisherigen Mitglieder des Gesamtvorstandes (GV) zur Verfügung stehen, wenn Sie gewählt werden? Oder wird es Änderungen geben?

Der Steuermann ist immer nur so gut wie sein Team und Kontinuität ist in diesem Fall eine wichtige Grundlage für den Erfolg des BJV. Deshalb freut es mich ganz besonders, dass ich Falle meiner Wahl als Präsident vollständig auf ein langjährig erfahrenes Präsidium in der bisherigen Besetzung zählen kann. Sowohl die Vizepräsidentin Bianca Mederer als auch die Schatzmeisterin Manuela Kohlhofer haben mir – im Gegensatz zu meinem Mitbewerber Gerhard Fleißner – ihre Unterstützung und erneute Kandidatur zugesagt. Somit ist die Kontinuität im Präsidium gegeben, die für den Verband wichtig ist. Auch im Gesamtvorstand kann ich – gemäß Aussagen aller GV-Mitglieder – auf das bewährte Team setzen. Nicht nur Herbert Eberlein als KR-Referent, sondern auch alle anderen GV-Mitglieder stellen sich nach meinem derzeitigen Kenntnisstand im Falle meiner Präsidentschaft zur Wiederwahl.


Es wird gelegentlich der Wunsch laut, einen weiteren hauptamtlichen Trainer oder auch einen hauptamtlichen Verbandskoordinator (wie in einigen anderen Landesverbänden) einzustellen. Sehen Sie die Möglichkeit dafür?

Sie haben sicher Verständnis dafür, dass ich an dieser Stelle nur allgemein gültig antworten kann, da ich die finanzielle Situation des Verbandes im Detail noch zu wenig überblicke. Ich kann den Wunsch sehr gut verstehen, denn in Zeiten von steigenden beruflichen Belastungen sind die Möglichkeiten, die vielfältigen Aufgaben ehrenamtlich abzudecken deutlich geringer geworden. Der Wunsch nach einer hauptamtlichen Funktion ist deshalb mehr als verständlich. Andererseits müssen aber hauptamtlich Beschäftigte nachhaltig finanziert sein, auch im Sinne des „Angestellten“. Auf Basis der bisherigen Arbeiten und Kooperationen sowohl am OSP München als auch mit dem BLSV wurden in den vergangenen Jahren einige finanzielle Möglichkeiten bereits aufgetan. Dies gilt es weiter zu verfolgen, um den berechtigten Vorstellungen folgen zu können. Hierfür würde ich mich gemeinsam mit allen im Präsidium natürlich weiter und mit ganzer Kraft engagieren.


Haben sich vor diesem Hintergrund nicht durch die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften in Bayreuth die finanziellen Handlungsmöglichkeiten des BJV eingeschränkt?

So schön es ist, eine Deutsche Meisterschaft – noch dazu die der Männer und Frauen – im Landesverband auszurichten, so genau muss man sich aber auch die Konsequenzen für den Verband betrachten. Insofern habe ich es mit großem Bedauern erfahren, dass die Ausrichtung der DEM in den letzten 3 Jahren dem BJV einen jährlichen Fehlbetrag in 5-stelliger Höhe eingebracht hat. Es gibt sicherlich vielfältige Gründe hierfür, jedoch muss man sich vor Augen halten, dass es sich dabei um das Geld unserer Mitglieder handelt, das an anderer Stelle im Verband fehlt. Denken Sie dabei nur an Ihre Frage zur Möglichkeit eines weiteren Hauptamtlichen. Aus diesem Grund halte ich es für völlig richtig, dass das Präsidium mehrheitlich beschlossen hat, nur noch im Falle einer gesicherten Finanzierung die Deutsche Meisterschaft auszurichten. Sollte dies möglich sein – und ich habe hierfür schon erste Gespräche geführt – und sollte es vom Gesamtvorstand mehrheitlich unterstützt werden, so werde ich mich natürlich für einen Verbleib der DEM in Bayern einsetzen und dafür kämpfen.


Wird auf absehbare Zeit eine Beitragserhöhung nötig sein, um den Rückgang der Mitgliederzahlen und die neuen Wünsche an den BJV, wie zum Beispiel neue hauptamtliche Mitarbeiter, auffangen zu können?

Beitragserhöhungen sind ein unbeliebtes und aus meiner Sicht das letzte Mittel um die Finanzausstattung eines Sportverbandes zu verbessern. Ich erinnere mich noch sehr gut an die erst vor wenigen Jahren durchgeführte Beitragserhöhung um 2 Euro und die dabei geführte Diskussion im BJV und seinen Vereinen. Aus diesem Grund müssen wir meiner Meinung nach zwei Wege gehen – erstens einsparen, wo möglich (ich verweise auf meine Ausführungen zur DEM) und zweitens neue alternative Geldquellen auftun. Wir haben einen attraktiven Sport zu bieten und sind mit unserer Mitgliederzahl ein auch durchaus interessanter Adressat für Sponsoring.

Dieser Aufgabe ist der bisherige Präsident meiner Meinung nach nur unzureichend nachgekommen. Mein Ziel ist es deshalb, für uns wichtige und an uns interessierte „Geldgeber“ näher an den Verband heranzuführen und einzubinden. Das gelingt nicht nur aus der Ferne. Ich denke dabei an die Möglichkeit – wie bereits von anderen Sportverbänden bzw. Vereinen erfolgreich praktiziert - durch Einbindung von Wirtschaft und Landessportbund in interne Gremien neue Optionen zu erschließen. Erste Gespräche hierzu habe ich bereits geführt und unter Umständen bin ich schon auf dem Verbandstag in der Lage Näheres vorzustellen.


Welchen Stellenwert messen Sie dem Breitensport – der von der größten Zahl der Vereine praktiziert wird - im BJV zu und warum?

Meine persönlichen Wurzeln im Verein und Bezirk sind der Breitensport. Insofern messe ich dieser „Sparte“ unseres Verbandes eine hohe Bedeutung bei. Nach meiner Ansicht ist – wie schon verschiedentlich erläutert – der Breitensport die Basis unseres Erfolges. Damit meine ich aber nicht nur die finanzielle, sondern auch die ehrenamtliche Grundlage. Woher sollen unsere zukünftigen Leistungsträger und Medaillengewinner denn kommen, wenn nicht aus den Vereinen, wo sie ihre ersten Schritte auf der Matte machen und von engagierten Trainern und Betreuern gefördert werden? Erst auf Grundlage dieser Arbeit kann die leistungsorientierte Förderung des Verbandes einsetzen. Und unabhängig davon wie man Breitensport definiert, macht dieser Bereich den wesentlichen Teil des Verbandes aus.

Ich bin deshalb der Auffassung, dass der Verband allen Trainern und Betreuern in den Vereinen ein Höchstmaß an Unterstützung und Ausbildung für ihre Funktion zukommen lassen muss. Dass wir dabei sehr gut sein können, möchte ich z.B. an der Aktion „Kim Possible“ des DJB festmachen – eine überaus erfolgreiche Maßnahme für den Breitensport und unsere Mitgliederzahlen. Warum sollten wir nicht auch als bayerischer Landesverband etwas Ähnliches versuchen? Erfreulicherweise rücken unsere Jugendarbeit und die damit verbundene soziale Komponente des Sports auch vermehrt in den Blickpunkt der Politik, so dass trotz enger werdender Kassen die Unterstützung der Übungsleiter unverändert geblieben ist. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass dies so bleibt.


Welchen Stellenwert messen Sie im Vergleich dazu dem Leistungs- und Spitzensport im BJV zu? Wird sich der BJV diesen auf Dauer leisten können oder wollen?

Leistungs- und Spitzensport ist medienwirksam und die Messgröße von finanziellen Zuwendungen aus öffentlichen Mitteln. Wie schon erwähnt, haben wir im BJV mit unseren vorhandenen Strukturen eine gute Grundlage für leistungsorientierte Nachwuchsarbeit gelegt. Diese Grundlage sollte nun auch intensiv genutzt und weiter gefördert werden.

Hierbei ist Geld allein nicht das ausschlaggebende Hilfsmittel. Die Motivation aller Beteiligten ist notwendig und hier sehe ich noch Nachhol- oder Verbesserungsbedarf. Anerkennung und Auszeichnung der Erfolge von Sportlern und Trainern müssen verbessert werden – schaffen wir IDOLE für den BJV und geben damit Anreize zum Nachahmen. Wir haben das, wenn auch im kleinen Rahmen, z.B. durch die Ehrung eines „Judoka des Jahres“ in der Oberpfalz und die Berufung eines Bezirks-Leistungs-/Perspektiv-Kaders umgesetzt.


Ein anderes Thema: Es gab durch den Passauer Missbrauchsfall zum Teil viel Aufregung im Verband. Wie wollen Sie mit dem Thema Missbrauch in Zukunft umgehen?

Bedauerlicherweise haben wir im BJV durch diesen Fall in unerfreulicher Weise zu viel Medienaufmerksamkeit erlangt und befinden uns dabei aktuell nicht gerade in „guter Gesellschaft“. Dass der Missbrauch von Jugendlichen und zur Betreuung anvertrauten Kindern ein unentschuldbares Verhalten ist, versteht sich von selbst. Ich habe als Bezirkvorsitzender persönlich bei einem Fall in der älteren Vergangenheit konsequent den Beschuldigten zur Rede gestellt und zum Rücktritt von allen Ämtern und aus dem Judo bewegt. Auch den Fall eines früheren BJV-Jugendleiters durfte ich als Vizepräsident mitverfolgen. Gott sei Dank beides ohne viel Medienrummel.

Darum weiß ich wovon ich spreche, wenn ich deutlich mache, dass Aufklärung und konsequente Verfolgung, auch von Verdachtsfällen unabdingbar ist. Hierfür brauchen wir im Verband nicht nur die bereits vorhandenen und wichtigen Richtlinien für alle in der Jugendarbeit Tätigen, sondern auch eine vertrauensvolle Gesprächsumgebung. Hierbei denke ich neben der offensiven Aufklärung auch an entsprechende Beauftragte auf Verbands- und Bezirksebene, die nicht nur für Vereine, sondern auch für allen anderen Beteiligten eine Anlaufstelle sind für offenen und dennoch vertraulichen Umgang mit dem Thema. Wir sollten uns aber davor bewahren, wie auch der Vorsitzende Richter im genannten Fall zum Ausdruck hat, „das Kind mit dem Bade auszuschütten“ und nun alle ehrenamtlichen Betreuer und Trainer einem Generalverdacht zu unterwerfen. Fingerspitzengefühl ist wichtig im Sinne unserer Ehrenamtlichen.


Was machen Sie, wenn Sie nicht als BJV-Präsident gewählt werden?

Ich bin derzeit als Bezirksvorsitzender der Oberpfalz gewählt und als Bundes-A-Kampfrichter ehrenamtlich für den Verband tätig. Diese Aufgaben machen mir Freude und ich bin dabei von vielen Freunden umgeben, mit denen ich gerne meine Freizeit für den BJV verbringe. Wenngleich ich mir meine Kandidatur als Präsident wohl überlegt habe und diese Aufgabe gerne wahrnehmen würde, so bleibe ich im Falle, dass ich diese Wahl nicht gewinne, dennoch dem Judo verbunden und werde mein Engagement in diesen Bereichen weiter beibehalten.


Und wenn Sie gewählt werden - was würden Sie Ihrem Mitbewerber Gerhard Fleißner mit auf den Weg geben?

Zu aller Erst würde ich Gerhard für sein jahrzehntelanges Arbeiten im und für den Bayerischen Judo-Verband Danke sagen. Er hat, gemeinsam mit einem engagierten Team, in verschiedenen Funktionen viel Arbeit geleistet und im Verband vielerlei bewegt und vorangebracht. Ich würde mich freuen, wenn er im Falle meiner Wahl als Präsident – in welcher Funktion und Aufgabe auch immer – für mich persönlich, das Präsidium, den GV und den Verband weiterhin als konstruktiver Gesprächspartner zur Verfügung stehen würde.


Zum Interview mit Gerhard Fleißner

Gert Langrock
BJV-Presseteam

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