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BayernJudo.de: Das doppelte Brandstetter Porträt
Dienstag, 20.7.2010 - 15:17 Uhr

Zwei Danprüflinge im Interview

Das doppelte Brandstetter Porträt

Lukas und Alexandra Brandstetter tragen zwar denselben Nachnamen, sind aber nicht verwandt. Beide waren am Sonntag Teil des Prozesses der Einführung der neuen Danprüfungsordnung in Bayern. Sie standen auf der aktiven Seite der Matte. Prüfungsreferent Sven Keidel nahm das zum Anlass mit den beiden über Judo-Ideen zu sprechen.


Lukas Brandstetter ist erst 16 Jahre alt und repräsentiert damit den Typ des jungen, kämpfenden Judokas. Viele unserer aktiven Sportler stellen sich schon in diesem Alter der Prüfung zum 1. Dan. Lukas betreibt Judo bei der DJK Ingolstadt und hat mit Jens und Sven Keidel zwei Funktionäre als Trainer, die seit vielen Jahren die DJB Ausbildungsideen umsetzen. An ihm sieht man sehr gut den langfristigen Aufbau eines Judoka. Lukas war durchschnittlich erfolgreich in seinen Jugendjahren. Er konnte zwar immer mal bis zur bayerischen Ebene vordringen, war aber nie ganz vorne dabei. 2010 kämpft er zum ersten Mal bei den Männern.
Hier gewinnt er mehr als die Hälfte seiner Begegnungen in der Landesliga und erkämpfte sich den südbayerischen Vizetitel. Für den 16jährigen ein Riesenerfolg. Tags darauf legt er die Prüfung zum 1. Dan ab. Vor drei Jahren wurde er zum Braungurt graduiert. In der Vorbereitung zur Danprüfung hört man von ihm immer wieder die Frage: „Ist das alles was ich für die Danprüfung brauche?“. Und genau das trifft den Kern der Sache – unsere Ausbildung und Prüfungsordnung ist so angelegt, dass ein Judoka, der danach trainiert, zum 1. Dan wenig Neues lernen muss. Alle Techniken, die er zeigen muss, hat er bereits im Training kennengelernt. Deshalb erscheint einem der Sprung zum 1. Dan nicht sehr hoch. Auch die Nage-no-kata hat man ja bereits zu 3/5 bei seinen Gürtelprüfungen geworfen. Lukas nicht, denn er hat erst den Braungurt nach der jetzt gültigen Kyuprüfungsordnung gemacht. Aber er war schon einmal Uke bei der Nage-no-kata und so konnte er auch diese innerhalb der intensiven dreiwöchigen Vorbereitungszeit erlernen. Anstrengend empfand er das nicht – drei Wochen Dan-Training, natürlich neben dem normalen Trainingsprozeß. Schließlich wollte er ja auch die Meisterschaft mitkämpfen. Dadurch hielt sich auch die Aufregung bei der Danprüfung sehr in Grenzen, denn er war ja gut vorbereitet. Bei der Vorstellung seiner Spezialtechnik musste man ihm immer wieder klarmachen, dass er das alles sagen soll was er gelernt hat, auch wenn es ihm selbstverständlich erscheint. Er macht das ja immer im Training – und genau so ist dieses Thema gedacht. Es soll den täglichen Trainingsablauf widerspiegeln.


Alexandra Brandstetter erfüllt die Vorgabe, die ich als Prüfungsreferent vor einigen Jahren ausgegeben habe: „Macht den 3. Dan bis zu euerem 28. Lebensjahr.“ Alexandra ist erst 25 und hat als erste bayerische Judoka die Nage-waza-ura-no-kata zum 3. Dan gezeigt. Dies ist eine Form der Gonosen-no-kata und soll in Zukunft zum Standard werden. Auch sie stellt sich der Danprüfung aus dem laufenden Trainingsprozeß heraus – erreichte tags zuvor Platz eins bei der Südbayerischen.
Sie hat die bisher geläufige Form dieser Kata auch schon als Uke kennengelernt und findet beide Formen gleichwertig. Alexandra meint es macht ihr Spaß sich auch mit Kata zu beschäftigen, wiewohl sie hier zwar eine Judotrainingsform sieht, die ihr aber für ihre Wettkampfkarriere nicht allzu viel hilft. Doch missen möchte sie das nicht. Auch sie kommt aus einem Verein, der regelmäßig Judoka erfolgreich zu Danprüfungen schickt: dem MTV München. Sie ist kein „Gürteljäger“, der die Dangrade in Mindestzeit durchläuft. Braungurt 2002, 1. Dan 2004, 2. Dan 2006, 3. Dan 2010 – Danprüfungen gehören einfach zum Judo. Sie dokumentieren den eigenen Fortschritt. Nicht nach außen hin für andere legt sie die Prüfungen ab, eher für sich. Nach der gelungenen Prüfung ist aber auch sie überglücklich und viele Judoka gratulieren ihr zu der sehr gut ausgeführten Kata.
Wir haben mittlerweile einige Judoka, die ihren 3. Dan in den letzten Jahren unter 30 Jahren erreicht haben: Martin Brenndörfer, Gerhard Dempf, Melanie Dietrich, Robert Ettmüller, Andé Pinkert, Alexander Schmidt-Wallach, Holger Smolinksy oder gar den 4. Dan wie Jörg Dümmler – ein schöner Trend, der sich fortsetzen darf, dienen uns doch gerade diese Judoka auch als Multiplikatoren.

Sven Keidel
Prüfungsreferent BJV

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