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BayernJudo.de: 100 Tage nach der Neuwahl - Kronawitter: „Wir gelten als sehr leistungsfähiger Verband“
Verband
Samstag, 14.8.2010 - 18:29 Uhr

BayernJudo exklusiv: Interview mit BJV-Präsident Raimund Kronawitter

100 Tage nach der Neuwahl - Kronawitter: „Wir gelten als sehr leistungsfähiger Verband“

Seit dem BJV-Verbandstag 2010 sind mittlerweile 100 Tage vergangen. Zeit für BayernJudo.de, den neuen BJV-Präsidenten Raimund Kronawitter eine erste Bilanz ziehen zu lassen und mit ihm über bevorstehende Aufgaben zu sprechen.


Raimund Kronawitter auf dem Verbandstag 2010


Herr Kronawitter, seit Ihrer Wahl zum Präsidenten des Bayerischen Judo-Verbandes sind nun 100 Tage vergangen. Wie lautet Ihre erste Bilanz? Wie sind Ihre ersten Eindrücke im Amt?

Mein erster Eindruck? Was - 100 Tage schon? Wie schnell doch die Zeit vergeht! Wenn ich zurückblicke auf den 1. Mai und die vergangenen Wochen, so waren sie gefüllt mit einer Vielzahl von Gesprächen, um sicherzustellen, dass der Verband weiter arbeiten kann und ich den richtigen und notwendigen Beitrag als Präsident „nahtlos“ einbringe. Dabei habe ich mich bestätigt gesehen in dem Eindruck, dass sich die Kolleginnen und Kollegen im Gesamtvorstand/Präsidium aber auch die Trainer mit hohem Engagement und zeitlichem Aufwand in die Verbandsarbeit einbringen. Eine Bestätigung, die mir die Sicherheit gibt, mit einem guten Team zusammen zu arbeiten. Auch die Gespräche mit unseren Partnern (DJB, BLSV und OSP) haben mir gezeigt, dass wir bei allen einen guten Stand haben und als sehr leistungsfähiger Verband gelten.


Und was hat sich im BJV seit dem Verbandstag verändert?

Das ist für mich schwierig zu sagen, denn ich kenne den Verband als Präsident erst seit dem Verbandstag. Sicherlich haben sich die Gemüter nach dem Wahlkampf beruhigt und die tägliche Verbandsarbeit steht wieder im Vordergrund. Ich erlebe aber auch, dass die bisherige Konzentration auf den Präsidenten als zentrale Institution durch meinen eher teamorientierten Ansatz des Präsidiums bei den Gesprächspartnern da und dort Unsicherheiten erzeugt hat. Insofern war uns wichtig, möglichst schnell und eindeutig die neuen Zuständigkeiten festzulegen, zu veröffentlichen und dabei die Wünsche der jeweiligen Ressorts zu berücksichtigen.


Sie sind mit dem Vorhaben angetreten, für mehr Gleichklang im Präsidium und Gesamtvorstand zu sorgen. Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Funktionären?

Hier kann ich natürlich nur meine Sicht der Dinge und meine Wahrnehmung wiedergeben und stütze mich dabei auch auf das Feedback, das ich von den Kolleginnen/Kollegen bekomme. Die Zusammenarbeit in den Gremien ist mittlerweile wieder vom „Tagesgeschäft“ und gemeinsamen Zielsetzungen geprägt und verläuft überaus konstruktiv. Vor allem im Präsidium ist die Zusammenarbeit durch offenen und vertrauensvollen Umgang geprägt.

Jeder der Ressortleiter und die Präsidiumskollegen agieren eigenverantwortlich und selbständig. Ich trage meinen Teil zum Erfolg des BJV in den Feldern bei, die ich absprachegemäß federführend verantworte und koordiniere die Zusammenarbeit in anderen Bereichen wo nötig. Erfreulich ist, dass sich in einigen Ressorts die bisher vorherrschende „unmotivierte“ Stimmungslage nach meinem Empfinden deutlich verbessert hat.


Spüren Sie noch Vorbehalte Ihnen gegenüber, die aus der Zeit des Wahlkampfes vor dem Verbandstages rühren?

Grundsätzlich kann ich feststellen, dass beim überwiegenden Teil der Partner innerhalb und außerhalb des Verbandes keinerlei Vorbehalte mehr erkennbar sind – sofern jemals welche vorhanden waren. Ich verstehe aber auch, dass der ein oder andere Sportkamerad, der mit mir nicht laufend zu tun hat, noch etwas Zeit braucht, um mich und meine Weise der Zusammenarbeit näher kennen zu lernen. Insofern blicke ich hier sehr zuversichtlich in die Zukunft, denn gemeinsames Arbeiten und gemeinsame Zielsetzungen schaffen die Grundlage für das notwendige Vertrauen, das da und dort meines Erachtens noch nicht vollumfänglich vorhanden ist.


Was tut sich bei den Schwerpunkten Breitensport und Leistungssport?

Der Breitensport lässt sich meiner Meinung nach in zwei wesentliche Teilbereiche gliedern – Jugendbildung zum Einen und die „Erwachsenen“ zum Anderen.

Bei der Jugendbildung kann ich nur auf die mittlerweile teilweise gestarteten Aktionen verweisen, wie z.B. das Gründungwochenende des Juniorteams, die ausgeschriebene Lehrgangsserie „British Judo“ und viele weitere Ideen, die derzeit in der Jugend entstehen. Dazu passen auch Lehrgänge, wie wir sie z.B. für unsere jugendlichen Schwergewichte im 2. Halbjahr anbieten wollen. Dass „ganz nebenbei“ auch noch die bewährten Sommermaßnahmen in Inzell und Fichtelberg stattfinden, sei an der Stelle noch ergänzend erwähnt.

Bei den Erwachsenen wollen wir vor allem in 2011 unter dem bekannten Schlagwort „Lebenslanges Judo“ Wege und Möglichkeiten publik machen, um Langjährige und Rückkehrer gleichermaßen anzusprechen.

Beim Leistungssport galt es in erster Linie die bisher sehr erfolgreiche Arbeit der Trainer und Ressortverantwortlichen fortzusetzen. Mit der eindeutigen Zuordnung des Ressorts Leistungssport im Präsidium sind wir sicher, diese Kontinuität und damit die nötige Unterstützung der Trainer und Sportler sicherzustellen. Einen wesentlichen Anteil an der Arbeit der vergangenen 100 Tage hatten die Gespräche und Abstimmung im Zusammenhang mit den zusätzlich möglichen Geldern für den BJV. Wenngleich nach aktuellem Stand hier noch nicht der gewünschte Erfolg zu verzeichnen ist, so beschäftigte uns im Präsidium die Angelegenheit im Hinblick auf die Bedeutung doch maßgeblich und deshalb wollen wir auch noch nicht die „Flinte ins Korn werfen“. Daneben haben wir uns sehr intensiv mit der Jahresplanung 2010 der Maßnahmen für den Sportbereich befasst, um die herausragenden Erfolge unserer Athleten mit entsprechend begleiten und die finanzielle Unterstützung soweit für uns möglich sicherstellen zu können. In diesem Zusammenhang bin ich auch bemüht, die Trainerkapazitäten des BJV durch eine weitergehende Verpflichtung von Claudia Straub auszubauen.


Sie wollten auch im Kontakt mit der Basis präsent sein, dabei vor allem „zuhören“ und die Basis in Entscheidungsprozesse stärker einbinden. Wie sind Ihre Erfahrungen dabei? Was haben Sie über die Wünsche der Basis gelernt?

Ich habe natürlich bei jeder Gelegenheit das „offene Ohr“ im Wind und suche den direkten Kontakt und Gespräch mit Judokas, Vereinen und Bezirken. Dabei habe ich einiges über die aktuellen Probleme gelernt, mit denen unsere Judokas und Vereine konfrontiert sind.

Unmittelbar nach dem Verbandstag bin ich auch an alle meine Bezirksvorsitzendenkollegen herangetreten und habe sie nach aktuellen und wichtigen Problemen in der jeweiligen Bezirksarbeit befragt. Dabei sind wichtige gleichgelagerte und in Teilen auch unterschiedliche Anregungen/Hinweise gekommen. Diese Ergebnisse fließen in die laufende Verbandsarbeit ein und werden von mir in den Zielkatalog für den BJV 2011 im Herbst zur Diskussion gestellt. Insgesamt habe ich den Wunsch wahrgenommen, dass der Verband besser die Bezirke in die Informationen – als erste Ebene der Zusammenarbeit – einbindet und diesem Aufruf folge ich konsequent wo immer möglich. Außerdem gibt es in den Bezirken sehr unterschiedliche Aktionen, um die Jugend „bei der Stange zu halten“. Diese Ideen möchte ich gerne weiter verfolgen bzw. unterstützen. Regelmäßige Kontakte und der – soweit mögliche – Besuch der Bezirksvorstandssitzungen stehen immer auf meiner und der Tagesordnung des ganzen Präsidiums weit oben.


Ihr Vorgänger, der BJV-Ehrenpräsident Gerhard Fleißner, hat vor dem Verbandstag erklärt, für die Einarbeitung seines Nachfolgers zur Verfügung zu stehen. Greifen Sie ab und zu auf seinen Rat zurück?

Wie von ihm versprochen, hat mich Gerhard Fleißner anlässlich von zwei offiziellen „Übergabegesprächen“ mit einer Vielzahl von Unterlagen und Informationen versorgt. Man kann jedoch nicht alle Punkte und Themen in der nötigen Tiefe an zwei oder gar auch mehr Terminen abarbeiten. Deshalb haben wir uns auf einen fallbezogenen intensiven Austausch verständigt, um die ggf. notwendige Übergabe zu leisten. Ich bekomme aber auch von meinen Gesamtvorstands- und Präsidiumskollegen, die in vielen Themen mit eingebunden waren, volle Unterstützung, was wie gesagt die Kontinuität im Verband sicherstellt.

Wir beide – sowohl Gerhard Fleißner als neuer Ehrenpräsident, als auch ich als Präsident – lernen natürlich auch Schritt für Schritt mit der jeweils neuen Rolle umzugehen und die Inhalte von „Rat und Tat“ konkret auszugestalten. Unabhängig von der klaren Aufgabenzuordnung im Präsidium gibt es Themenbereiche wie z.B. die Bayerische Sportstiftung, wo Gerhard aufgrund seiner Kontakte den Verband weiterhin aktiv vertritt und Bereiche, wo ich als Präsident vermehrt in den Vordergrund trete. Ich sehe natürlich auch, dass aufgrund seiner langjährigen Arbeit im Verband weiterhin immer wieder mal ehemalige Gesprächspartner auf Gerhard Fleißner zugehen, um ihn um Rat zu fragen. Es ist sicherlich nicht die Aufgabe und Verantwortung eines Ehrenpräsidenten, noch im Tagesgeschäft mitzumischen. Aber er kann als „elder statesman“ manch gelassenen Rat jenseits des Tagesgeschäfts geben


Sie sind ja gleichzeitig noch Bezirksvorsitzender der Oberpfalz. Lassen sich beide Spitzenämter noch gleichzeitig bewältigen oder geben Sie auf absehbare Zeit den Bezirksvorsitz ab?

Wie schon auf dem Verbandstag gesagt, werde ich im Januar 2011 anlässlich der Neuwahlen für den Bezirksvorsitz der Oberpfalz nicht mehr zur Verfügung stehen. Das wissen alle meine Kollegen im Bezirksvorstand und gemeinsam sind wir auf der Suche nach einer guten Nachfolgelösung. Bis dahin unterstützen mich alle nach Kräften und so kann ich derzeit noch beide Aufgaben gut gleichzeitig bewältigen.


Was wünschen Sie sich für die nächsten Monate für den BJV?

Ein gemeinsames Arbeiten an den herausfordernden Aufgaben zur Sicherung unseres Erfolges von allen Beteiligten, verbunden mit offenem Umgang, ehrlichem Feedback und zielführender Diskussion ohne Vorbehalte gegenüber den handelnden Personen.

Gert Langrock
BJV-Presseteam

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