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BayernJudo.de: Entscheidungstag in der Bayernliga und Landesliga
Sportgeschehen
Freitag, 3.6.2011 - 00:10 Uhr

Das Judo-Wochenende im Freistaat

Entscheidungstag in der Bayernliga und Landesliga

Am letzten Kampftag in der Liga geht es sicher noch einmal hoch her. Der Ausblick auf Tränen und Triumphe, nicht nur in der Liga, in unserer Wochenend-Vorschau.

Vielleicht zum Beginn dieser Wochenend-Vorschau ein paar Gedanken zu einem Thema, dem man diese Woche einfach nicht entrinnen konnte.

Unappetitlich - das ist der Eindruck, der vom Prozess gegen Jörg Kachelmann zurück bleibt. Unappetitlich wegen der vielen Details, die man aus dem Miteinander zweier Menschen serviert bekam. Unappetitlich wegen der seltsamen Verhaltensweisen der Prozessbeteiligten bis hin zum seltsamen Urteilsspruch. Unappetitlich, weil das Nachdenken über das, was da verhandelt wurde, einen Blick in die hässlichen Abgründe menschlichen Umgangs zulässt.

Und doch: Es war wichtig, sich dem Unappetitlichen zu stellen. Denn plötzlich geht es nicht um ein simples „Hat er oder hat er nicht?“. Sondern es wurden Fragen aufgeworfen, die auch uns im Judo betreffen, wenn man mal die Präventionsbrille aufsetzt.

Fragen wie zum Beispiel: Ist jemand schon schuldig, wenn er beschuldigt wurde? Ist er dann schon sozial erledigt, wenn der Vorwurf öffentlich gemacht wird? Wem kann man glauben und wem will man glauben - einem Beschuldigten oder dem Beschuldiger? Wie schützt man sich vor falschen Verdächtigungen? Wer setzt sich für einen Beschuldigten ein, wenn alle schon Rot sehen? Kann man sich bei solchen Vorwürfen nur mit ausgefuchsten Verteidigern retten und mit weniger ausgefuchsten Verteidigern nicht? Wie kann ein Opfer seine Integrität retten, ohne der Lüge geziehen zu werden oder vom Beschuldigten diskreditiert zu werden? Können Opfer einer sexuellen Straftat noch den Mut aufbringen, sich trotz einer Eins-zu-eins-Situation im Nachhinein gegen ihre Peiniger zur Wehr zu setzen?

Wo fängt eine sexuelle Handlung gegen den Willen einer anderen Person an? Was ist Vergewaltigung, was sexueller Missbrauch, was sexuelle Belästigung und was nichts davon? Hier geht es um den schwierigen Graubereich der Grenzverletzung. Er spielt eine wichtige Rolle für ein Opfer, denn eine Grenzverletzung ist nur über das Erleben und Empfinden dieser Person zu definieren. Und doch entzieht sich eine Grenzverletzung, so schwerwiegend sie für jemanden sein kann, manchmal einer strafrechtlichen Eindeutigkeit. Denn erstens liegen die persönlichen Grenzen bei jedem Menschen anders, und zweitens muss ein Gericht vor allem objektivierbare, für jedermann klar nachvollziehbare Kriterien anlegen. Und da werden die Grenzen vom Strafrecht sehr eng gezogen - zum Leidwesen mancher Menschen, die Opfer sind oder sich als Opfer fühlen. Zum Wohle mancher, die weder eine Straftat begangen haben und auch nie eine Grenzverletzung begehen wollten, oder leider auch mancher, die eine Straftat begangen haben, die man ihnen aber nicht sicher nachweisen kann.

Und doch: Auch wenn der Urteilsspruch im Prozess gegen Jörg Kachelmann so uneindeutig ist, so war es doch wichtig, derartige Fragen in aller Öffentlichkeit aufzuwerfen. Denn die, nicht nur um Kachelmann, sondern auch den französischen Banker Dominique Strauss-Kahn, aufgebrochene Diskussion gibt Mut, manchen Verhaltensweisen die Rote Karte zu zeigen. So wie im Beispiel der ehemaligen französischen Spitzenjudoka Marie-Claire Restoux. Plötzlich werden alte Macht- und Rollenklischees diskutiert. Plötzlich unterscheidet man sehr sorgfältig zwischen Schürzenjägern und Missbrauchern und Vergewaltigern. Plötzlich werden Menschen in Frage gestellt, die sich sorgsam ein untadeliges Image als kunstsinnige Philosophen, machtvolle Superbankiers, Super-Kumpel-Trainer oder locker-flockige Wettermoderatoren aufgebaut haben, und doch hinter diesem Image eine Seite verbergen, die nicht jedem von uns geheuer ist. Ein bisschen mehr gesundes Misstrauen gegenüber solcher Art von Helden ist nicht verkehrt.


Hm… wie krieg ich jetzt die Kurve… vielleicht so: Manchmal, auch das wissen wir seit dem Kachelmann-Prozess dank des BILD-Philosophen Franz-Josef Wagner, sind doch die Langweiler die Besseren - weil: da weiß man, was man hat.

Da weiß man, was man hat, sagen wir auch in dieser Wochenend-Vorschau. Denn wir wissen doch, was wir haben. Liga! Mal wieder.

In der Bayern- und Landesliga der Männer ist am letzten Kampftag für viele Mannschaften noch alles möglich. Lediglich der TSV Altenfurt steht schon als Sieger der Landesliga Nord fest. Es wird also wieder einmal spannend! Hingehen lohnt sich deshalb auf jeden Fall!

Außerdem gibt’s - leider weit entfernt in Bremen - die Deutschen Katameisterschaften. Mit dabei sind auch einige bayerische Paare. Viel Erfolg!

In Madrid (Spanien) und Bukarest (Rumänien) kämpfen Männer und Frauen bei IJF World Cups um Punkte auf der IJF-Rangliste.

Und in Erding und in Münchberg können U14- und U17-Kämpfer antreten.


Und wem das nicht reicht, der kann ja schon einmal die nächsten Wochenenden vorausplanen. Mit unserem exklusiven Erinnerungsservice für anstehende Meldeschlüsse verpasst niemand mehr ein Turnier in Bayern - vorausgesetzt, er liest immer die Wochenend-Vorschau:

Di., 07.06.2011
Isarpokal Männer U20 (DJB-Ranglistenturnier)
(Sa., 11.06.2011)

Sa., 11.06.2011
Offene Judofortbildung (10 UE)
(Sa., 18.06.2011)

Mi., 22.06.2011
Wallburgturnier U14
(Sa., 25.06.2011)

Mi., 22.06.2011
Wallburgturnier U17/Männer/Frauen
(So., 26.06.2011)

Mo., 27.06.2011
Internationales Judoturnier im Glaspalast
(Sa., 02.07.2011 bis So., 03.07.2011)

Di., 05.07.2011
Offene Südbayer. EM Männer und Frauen
(Sa., 09.07.2011)

Gert Langrock
BJV-Presseteam

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