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BayernJudo.de: Erwachsene Menschen kullern am Boden, schreien sich wütend an oder suchen eine Kokosnuss
Aus- und Fortbildung
Freitag, 19.8.2011 - 20:35 Uhr

Trainer B-Ausbildung „Judo im Elementarbereich“ in Ingolstadt

Erwachsene Menschen kullern am Boden, schreien sich wütend an oder suchen eine Kokosnuss

Wo ist das nur? Genau! Auf der Trainer B-Ausbildung „Judo im Elementarbereich in Ingolstadt“

Man schaut in einen Seminarraum irgendwo in Bayern und sieht eine Horde von Judokas in jedem Alter sich gegenseitig anschreien, boxen, in den Boden stampfen oder auch die Zähne zusammenbeißen. Aber manch einer bleibt auch ganz ruhig und atmet tief durch. Von außen denkt man nur, was machen die da nur? Kaum zu glauben - das ist wirklich eine Trainer B-Ausbildung. Aber auch der Umgang mit Wut muss gelernt werden.

Bereits im Juni dieses Jahres startete die neue Trainer B-Ausbildung für Judo im Elementarbereich in Ingolstadt. An einem Wochenende wurden die Teilnehmer von Jens Keidel in kindlichen Spielformen und Verhaltensweisen geschult. Spiele wie z. B. „Schiffe versenken“ oder „wilder Affe“ machten auch den Trainern Spaß.

Und wie kann man gleich wieder einen O-goshi oder O-soto-otoshi auf kindgerechte Art vermitteln? Jens hat unzählige Geschichten ausgepackt, die für die bunt gemischte Gruppe von Erziehern, Gelb-orange-Gurtträgern bis hin zum Schwarzgurtträger eine neue Erfahrung darstellten und Abstand von den alten Methoden bedeuteten. „Heute sind wir gleichzeitig ein Geheimagent, ein Ritter oder auch ein Förster, um einen Baum zu fällen“.

Auch die Bewegungslandschaften mit Kletterparcours, Balancierstationen oder Sprungelementen stellten eine Herausforderung für die Gruppe dar. Man müsste nur noch einmal fünf sein, damit man da durch klettern kann! An diesen zwei Tagen lebte bei manch einem der kindliche Spieltrieb wieder auf und man fühlte sich teilweise zurück versetzt in seine Kindheit.

Im Juli startete dann das zweite Modul unter dem Motto „kindliche Entwicklung“. Den Vormittag verbrachten wir im Theorieraum, um über Gewaltverhalten und die Körpererfahrung mit den Kleinen zu sprechen. Auf interessante, witzige und abwechslungsreiche Art und Weise vermittelte Jens der Gruppe die notwendigen theoretischen Fakten. Was ist überhaupt Gewalt? Schwierig, wenn man sich noch nie Gedanken darüber gemacht hat, aber in einem kurzen Sammeln findet man schon einiges heraus.



Anschließend ging es ins Dojo um seine persönliche Wut zu bekämpfen. Was eignet sich am besten dafür? Genau – Spiele

So sah man plötzlich einen 40-Jährigen wie einen Löwen brüllen oder eine 20-Jährige am Boden kullern. Die Taktik war, sich gegenseitig mit Geräuschen oder Gesten zu vertreiben. Besondere Beliebtheit erfreute sich der Wutball in der Ecke. Was in Ingolstadt im Dojo an Material zu finden ist, wünschen sich viele Vereine in Bayern. So kam Jens mit einer Vielzahl von Schwimmnudeln aus dem Geräteraum. Zunächst war großes Unverständnis in den Augen der Teilnehmer zu sehen. Aber dann ging es los mit Fechten mit Schwimmnudeln, Schwimmnudelsperrwerfen auf die Tierhorde oder auch Schwimmnudelnhockey. Mal schauen, wie schnell in Bayern die Schwimmnudelnvorräte nun aufgebraucht sind! Nach diesen Spielen wurde die Gruppe in die Geheimnisse der Entspannung eingeweiht. Dazu wurde eine Geschichte erzählt mit einer langen Zugreise, bei der man schnelle Wege, sowie Ruhepausen einlegte oder auch ins Traumland der Wut fuhr.

Am Nachmittag trafen sich die Judokas wieder im Seminarraum. Dort begrüßten wir Florian Ellmann als Referent. Auf eine gewohnt lockere Art begann er: „Welche Komponenten spielen bei der Koordination eine Rolle?“. Das Phänomen, das man aus der Schule kennt, sieht man auch in Ingolstadt. Auf das Blatt schauen oder wegschauen, weil es keiner mehr aus der Trainer C-Ausbildung musste. Mit einer kleinen Eselbrücke, „Dorfkrug ohne f“ kam man in Gemeinschaftsarbeit schon auf die Elemente. Weiter ging es mit Ausdauer und Belastbarkeit von Kindern im Alter von 4 bis 8 Jahren.

Dr. Dirk Hedrich eröffnete dann das Abendprogramm. Als aktiver Judoka verfügte er über ein großes Fachwissen und zeigte uns die häufigen Judoverletzungen anhand von zahlreichen Bildern. Ein paar Teilnehmer konnten gar nicht hinschauen, wie Knochen ausschauen können, wenn sie irgendwelche Brüche oder ähnliches aufweisen. Dies stellte eine willkommene Abwechslung dar, weil man solch eine Art von Referenten nur selten auf Trainerlehrgänge findet.

Am Sonntag lernten wir einiges über kindliches Lern- und Spielverhalten. Mit einer Gruppenarbeit wurden Beispiele für die drei Lerntheorie, Reiz-Reaktions-Lernen, Lernen am Modell und Lernen durch Einsicht, die man im Judounterricht umsetzen kann, erarbeitet. Anschließend wurde auf das aktuelle Thema Aufmerksamkeitsdefizit eingegangen und welche Schwierigkeiten solche Kindern im Judounterricht verursachen. Auch wurden praktische Hilfen gegeben, wie man sie im Judo integrieren kann.

Am Nachmittag war dann die Kreativität im Dojo der Teilnehmer gefragt. Bekannte Spiele mussten umfunktioniert und modernisiert werden. Aber auch Jens brachte seine eigenen Spielideen mit ein. Zum Schluss fand noch ein Meinungsaustausch über den Lehrgang statt. Alle Elemente des Wochenendes fanden durch die Bank eine positive Bewertung. Man nahm vieles für das eigene Training mit.



Die Workshop-Teilnehmer

Im Oktober und November geht es dann weiter mit Modul 3 und 4.

Conni Augustin

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