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BayernJudo.de: „Los, reiß ihm den Broiler ’raus!“
Verband
Montag, 29.8.2011 - 00:00 Uhr

Am Mattenrand (3)

„Los, reiß ihm den Broiler ’raus!“

Du bist nicht allein, signalisiert der Trainer, wenn er am Mattenrand sitzt und seinen Kämpfer coacht. Zwischen „Matte!“ und „Hajime!“ schaut der Sportler Hilfe suchend zu seinen Trainer. Und dann ist es am Trainer, ihn mit hilfreichen Hinweisen zum Sieg zu führen. Zeit, einige dieser Hinweise mal unter die Lupe zu nehmen.

„Mach was!“
Das ist zweifellos ein sehr wichtiger Hinweis für den Kämpfer. Denn er erfüllt alle Kriterien eines hilfreichen Hinweises. Er ist konkret, motivierend und geht auf die Besonderheiten des Sportlers ein. Als Kämpfer kann man daraus entnehmen: Verdammt! Irgendwie denkt mein Trainer, ich hätte den Kampf bis jetzt vergurkt. Aber er hat auch keine Idee, was ich machen soll. Also lege ich noch eine Schippe drauf und dann muss ich doch irgendwie gewinnen können.

„Ruhig bleiben!“
Das heißt übersetzt: 1. Du hast einen Vorsprung. 2. Ich weiß, dass Du manchmal den Kopf und die taktische Linie verlierst. 3. Deshalb: Nicht übermütig werden, nichts probieren, sondern genauso weiter kämpfen und Du gewinnst ohne Probleme.

„Heul nicht Â’rum und kämpfe!“
Dieser Anfeuerungsruf, gehört bei einem Bundessichtungsturnier und gerichtet an einen U14-Kämpfer während eines hart geführten Kampfes, vereint die Essenz des Kampfsports in fünf klaren Worten. Garantiert trocknen da die Tränen schnell und schießt das Adrenalin in die Blutbahn.

„30 Sekunden noch! Taktisch kämpfen!“
Hier spricht zweifellos der Taktikfuchs im Trainer. Kühl rechnend hat er erkannt, dass sein Kämpfer seine Führung im Kampf nicht verlieren würde, falls er noch einen Shido für Inaktivität kassieren würde. Also fordert er ihn auf, sich auf keine Risiken mehr einzulassen und lieber noch einen Shido in Kauf zu nehmen. Auch für den Kampfrichter ist dies ein wichtiger Hinweis, denn in den nächsten 30 Sekunden muss er besonders wachsam sein. Vielleicht kann er ja einen Shido wegen Herunterziehen, Griff vermeiden oder Weglaufen austeilen. Dumm nur, dass bald das Weglaufen kurz vor Ende des Kampfes mit Hansoku-make bestraft werden soll.

„Hände vor!“
Ähnlich wichtig wie der vorherige Hinweis. Für den Kämpfer heißt das: Lass Dich jetzt nicht mehr am Judogi fassen und in eine unübersichtliche Situation verwickeln, sondern weich auf Griffkampf aus! Für den Kampfrichter heißt das: Mal sehen, ob jetzt noch ein Shido fällig wird.

„Los, reiß ihm den Broiler Â’raus!“
Zweifellos ein Highlight der Kunst des Coachens. Gefallen ist dieser Ruf während eines Kampfes, in dem der Kämpfer bei seinem Gegner einen Armhebel angesetzt hatte. Konkret beeindrucken die martialische Ausdrucksweise („Arm Â’rausreißen“) und die gelungene metaphorische Umschreibung des gegnerischen Arms als Broiler. Letzteres verrät auch, woher dieser Coach kommt: von drüben.

„Los, das schaffst Du!“
Auch dieser Anfeuerungsruf transportiert eine wichtige Botschaft. Wohl gemerkt eine positive Botschaft. Denn der Trainer traut seinem Sportler noch alles zu und versucht, dessen Selbstvertrauen aufzubauen und ihn vor dem Resignieren zu bewahren. Hört man oft nach einer Waza-ari-Wertung für den Gegner.




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In der nächsten Folge „Am Mattenrand“: Die Kampfrichter-Jedi und ihr Lichtschwert


Gert Langrock
BJV-Presseteam

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