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BayernJudo.de: Der Weg ist auch das Ziel
Sportgeschehen / Verschiedene
Mittwoch, 15.2.2012 - 21:39 Uhr

Breitensport Judo - Fitness fürs Leben

Der Weg ist auch das Ziel

Wenn man heute in den Medien etwas über die Beziehung von Sport und Gesundheit liest, dann geht es oft um Fitness und die damit verbundene erhöhte Lebensqualität im Alter. Das Paradoxe dabei ist aber, dass gerade der ältere Mensch, der sich diese erhöhte Lebensqualität erarbeitet hat, in der Medienwelt kaum präsent ist. Man bekommt in den einschlägigen Sport- und Fitnessmedien meist junge muskulöse und vitale Körper präsentiert. Interessant aber wäre es doch, gerade den älteren Sportler näher zu betrachten, wie er sich nach lebenslangem Sport heute in seiner Fitness präsentiert. Denn erst im Alter ist doch das Fitness-Resultat, die höhere Lebensqualität erkennbar, die uns der Sport verspricht.


Ludwig scheint seinen Weg gefunden zu haben. Es ist Judo, der „Sanfte Weg“. Er betreibt seit seiner Kindheit Judo. In seiner Jugend war der Leistungssport für ihn alles. Aber der Judosport hat mehr Facetten. Im Breitensport kann man sich auf den Erwerb von Gürtelgraden konzentrieren, die eine große Motivation sind. Heute betreibt Sensei und Übungsleiter Ludwig, mittlerweile Träger des 5. Dan (5. Rang der Judomeistergrade), Judo als Breitensport.

Auf die Frage, was denn das Herausragende an seinem Judosport sei, meint er, die Vielseitigkeit der runden Bewegungen, die den gesamten Körper einbeziehen und elastisch halten. Außerdem die Fallschule, eine Technik, wie man verletzungs- und schmerzfrei fällt; und man fällt oft. Fallen ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Sportart. Dadurch werden wir auch gezwungen immer wieder aufzustehen. Im übertragenen Sinn, eine wichtige Eigenschaft für das Leben im Allgemeinen.

Wenn der heute 71jährige gefragt wird, woher er denn die Kraft für diesen Kampfsport nähme, gibt Ludwig an, dass die Kraft im Judo nicht das Wesentliche sei. Vielmehr sei es die Technik, dem Angriff des Gegners auszuweichen, dabei die Richtung seines Angriffs weiterzuführen und ihn so aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wenn der Gegner einmal aus dem Gleichgewicht gebracht ist, kann er Kräfte haben wie ein Löwe; er fällt trotzdem. Weil wir nicht gegen, sondern mit der Kraft des Gegners kämpfen, heißt der Gegner im Judo Partner.
Man muss sein, wie das Wasser, meint Ludwig: Es nimmt nur so viel Platz ein, wie es bedarf. Wenn man hineintritt, weicht es aus und geht den Weg, den man ihm offen lässt. Versucht man aber ihm seinen Raum zu nehmen, den es braucht, wird es den stärksten Beton zum bersten bringen. Das ist „Ju“, die Sanftheit.
Die Kraft von „Ju“ wurde der Sage nach von einem Jungen erkannt, der vor einem gewaltigen Sturm Schutz in einer Höhle suchte. Hier beobachtete er, wie starke Eichen, die sich starr dem noch stärkeren Sturm entgegenstellten, brachen oder entwurzelt wurden. Die biegsamen Kirschbäume hingegen beugten sich dem Sturm, und richteten sich später wieder auf.

Ludwig trainiert heute in einer Gruppe, die zu einem großen Teil aus Danträgern aller Altersklassen besteht. Aber auch Anfänger sind in diese Gruppe integriert, und Ludwig kümmert sich gerne um sie und weist sie in die Geheimnisse des „Sanften Weges“ ein.

„Do“, der Weg, ist der geistige Überbau dieser Kampfsportart. Der heute vielfach zitierte Spruch: „Der Weg ist das Ziel“, trifft hier genau zu. Ludwig erläutert an einem kleinen Beispiel, was damit gemeint ist.
„Wenn ich eine Judotechnik erlerne, benötige ich zunächst den Verstand, um den Bewegungsablauf zu verstehen. Erst dann kann der Verstand dem Körper sagen, was er machen soll. Zu Beginn dauert es eine lange Zeit, bis der Körper die Bewegung endlich richtig ausführt, die der Verstand will. Je häufiger und länger ich den Bewegungsablauf übe, desto kürzer wird die Zeitspanne zwischen dem Verstandesimpuls und der körperlichen Ausführung, bis irgendwann Verstandesimpuls und körperliche Ausführung in einem Moment ohne Zeitspanne zusammenfallen. Das ist die Einheit von Körper und Geist. Ein Glücksmoment, den man auch in allen anderen Sportarten erleben kann.
Diesen Zustand erreiche ich aber einzig und allein, wenn ich den Weg des ständigen Übens gehe und dabei reife. Wer das erkennt, sieht auch, dass das in der Ferne gesteckte Ziel eigentlich auch nur auf dem Weg lag, der immer weiter führt. Der Weg ist das Ziel.


Fotos: Oliver Lang

Lutz Meier-Staude
BJV-Presseteam

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