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BayernJudo.de: Kata eröffnet neue Wege für Breitensport im Alter
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Montag, 27.2.2012 - 20:37 Uhr

Georgine Prescher, Pionierin des bayerischen Judosports immer noch aktiv

Kata eröffnet neue Wege für Breitensport im Alter

Es ist schon erstaunlich, was diese Frau geleistet hat. Damals, als sie 1959 beim TSV Benediktbeuren mit dem Judosport begann, war Judo absolut von Männern dominiert. Frauen gab es so gut wie nicht. Einige Patres, die in Benediktbeuren mittrainierten, sollen sogar um ihr Seelenheil besorgt gewesen sein. Sie hätte ein Buch aus dieser Zeit, in dem behauptet wird, Judo sei nichts für Frauen. Trotzdem ging sie unbeirrt ihren Weg in dieser Sportart, die so viel bietet. Ihr Trainer war der damalige Grüngurt Sepp Graf. Überall, wo die heutige Mutter von drei Kindern hinkam, praktizierte sie Judo. Die Prüfung zu ihrem Braungurt hat sie beispielsweise in Berlin abgelegt.

Auf die Frage, ob und wo sie gekämpft habe, ist sie erst mal verdutzt. Nein, erwidert sie dann lachend, damals habe man als Frau nicht kämpfen dürfen. Erst in den 70iger Jahren sei den Frauen dieser Weg eröffnet worden. Erstaunlich, dass sie dann doch beim Judo geblieben ist, denn Judo ist eigentlich eine Kampfsportart und lebt davon.

Aber der Judosport hat auch andere Facetten. Drei Wege gibt es, den heutigen Judosport auszuüben: Kata, Randori, Shiai. Randori und Shiai sind sehr ähnlich. Während Randori das mehr verspielte, nicht ganz ernste Kämpfen meint, ist Shiai der ernste Wettkampf auf einem Turnier oder Meisterschaft. Beide Formen sind deshalb ähnlich, weil hier beide Akteure Tori sein wollen. Beide Partner müssen versuchen sich gegen den Anderen und gegen dessen Willen durchzusetzen. Hierzu ist die Schnellkraft, Elastizität und Wendigkeit der Jugend erforderlich, die im Alter nachlassen.
Aber es gibt auch die Übungsform der Kata. Hier spricht man jede Übung mit dem Partner ab. Uke bekommt hier eine ganz bedeutende Rolle, indem er die Technik von Tori mitträgt und durch seine Fallschule vollendet. Ich habe es hier also nicht mit einem unwilligen Uke zu tun, der seinen eigenen Kopf durchsetzen will, sondern beide Partner ergänzen sich. Der Vorteil dieser Übungsform ist, dass ich Techniken von Grund auf erlerne. Wolfgang Hofmann, ein großer deutscher Judoka hat einmal gesagt, Kata sei die Grammatik des Judo.


Diesen Weg ist Georgine Prescher gegangen. Sie besuchte die Sommerschulen des Deutschen Judobundes und fand hier in Klaus Hanelt einen Katalehrer, der sie motivierte und inspirierte. Kata, das war ihr Weg. Ein Weg, den sie mit ihrer Partnerin für sich im „stillen Kämmerlein“ übte. Ab diesem Zeitpunkt widmete sich Georgine Prescher der Kata. Die Kindertrainerin bei der TG Kochel, die als 4. Frau in Bayern ihren 1. Dan erworben hatte, begann eifrig Kata zu trainieren und nahm dann später auch erfolgreich an Katameisterschaften teil, nachdem sie vom Bayerischen Katareferenten Stefan Bernreuther dazu ermuntert wurde. 2011 wurde sie mit ihrer Partnerin Christine Kröh sogar Bayerische Meisterin und bekam für ihr Engagement vom Bayerischen Judoverband den 2. Dan verliehen. Für sie und ihre Partnerin hat sich damit ein neuer Weg geöffnet, auch im Alter sinnvoll Judo zu betreiben. Manchmal, so meint sie, wäre das so etwas, wie die „never ending story“. Sie nimmt heute jeden Katalehrgang mit, den sie kriegen kann. So fährt die 68jährige demnächst mit ihrer Partnerin auf einen Katalehrgang nach Italien und bereitet sich auch auf die diesjährige Bayerische Katameisterschaft am 18.3.12 vor.

Dies alles hat nun auch der Bayerische Rundfunk aufgegriffen.
Unter dem Titel "Weibsbilder" in der Serie "Wir in Bayern" wird der Bayerische Rundfunk am 29. März 2012 um 16:00 einen Beitrag über Georgine Prescher (Jahrgang 1943) im 3.Programm bringen.


Lutz Meier-Staude
BJV-Presseteam

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