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BayernJudo.de: Haushohen Vorsprung beinahe verschenkt
Sportgeschehen / Liga
Dienstag, 24.4.2012 - 11:40 Uhr

2. Bundesliga Erlangen - Karlsruhe

Haushohen Vorsprung beinahe verschenkt

Ihren unerwartet komfortablen 5:2-Vorsprung zur Halbzeit hätten die Erlanger Bundesliga-Kämpfer am vergangenen Samstag um ein Haar verschenkt. Doch Kai Brandes und Dominic Schmidt behielten die Nerven und retteten den Erlanger Sieg.

Manchmal ist der erste Kampf der entscheidende. Was sich nach einer Trainer-Binse für unmotivierte Sportler anhört, erwies sich bei der Zweitliga-Begegnung des TV Erlangen gegen den BC Karlsruhe als Offenbarung für die beteiligten Kämpfer beider Mannschaften. Denn mit dem knappen Sieg des Weideners Vinzenz Dotzler begann eine Halbzeit, die die Erlanger Zuschauer in der Halbzeit-Pause verwundert die Augen reiben ließ. So hoch führen wir?

Dabei hätte der erste Kampf in der 81 kg-Klasse durchaus anders als mit zwei Shidos für den Karlsruher Kämpfer Matthias Krieger enden können. Zu oft fanden sich beide Kämpfer am Mattenrand und außerhalb der Matte wieder. Glücksfall für Dotzler, dass die Kampfrichter ihm das nicht negativ auslegten und lieber seinen Kontrahenten mit einem Shido für Inaktivität bestraften. Es hätte auch anders ausgehen können. Doch so kam Stimmung in der Erlanger Jahn-Sporthalle auf und die Erlanger Mannschaft in Fahrt, während die Karlsruher eine echte Pechsträhne in der ersten Halbzeit hinnehmen mussten.

Im zweiten Kampf hatte es dann der hochgewachsene Mittelgewichtler Niko Milaev mit dem deutlich kleineren Nima Heidary zu tun. Dieser nutzte die Chance des kleinen Mannes und knöpfte Milaev für einen Konter zunächst einen Waza-ari ab. Doch Milaev durchschaute die Konterstrategie des Karlsruhers schnell und übernahm einen weiteren Konterversuch mit einem O-Uchi-Gari und setzte noch mit einem Haltegriff nach. 2:0 für Erlangen.

Im Halbschwergewicht (-100 kg) gewann dann Salim Kasabaki gegen Marcus Eisenmann und im Schwergewicht (+100 kg) konterte Kai Brandes einen Harai-Goshi-Ansatz seines Karlsruher Kontrahenten Josef Geddert erfolgreich. Nach einer schnellen Niederlage von Dominik Krebs gegen Philipp Müller (-73 kg) schien dann die Erlanger Serie gerissen zu sein. Der mittlerweile erfahrene Kilian Tschöpe kam gegen Karim Unser nicht in den Kampf und musste einem Waza-ari- und Yuko-Rückstand nachlaufen. Je länger das dauerte, umso sicherer schien Unsers Sieg. Doch 24 Sekunden vor Kampfende beförderte Tschöpe seinen Gegner mit einem leichtfüßigen Tani-Otoshi am Mattenrand zu Boden und holte somit den fünften Punkt für Erlangen. Alexander Pfennigs sehr knappe Yuko-Niederlage im Superleichtgewicht (-60 kg) gegen Ivo Wißler bedeutete dann den 5:2-Halbzeitstand.

Aus der Pause kam das Karlsruher Team mit einer veränderten Aufstellung, die sich als Glücksfall für Karlsruhe erwies. Leichtgewichtler Phlipp Müller kämpfte diesmal im Halbmittelgewicht (-81 kg) und errang 3 Yukos gegen Friedemann Schneider, mit denen er den dritten Karlsruher Punkt holte. Bernd Beller und Malte Meinken trennten sich im Mittelgewicht (-90 kg) unentschieden und dem im ersten Kampf erfolglosen Marcus Eisenmann gelang es im Halbschwergewicht, den Erlanger Florian Ellmann nach dessen erfolgreichem Wurf (Yuko) in einen Haltegriff zu nehmen. Mit dem 4:5 hatten die Karlsruher Kämpfer den Anschluss geschafft und auf Erlanger Seite machte sich ein mulmiges Gefühl breit. Wer sollte jetzt noch die zwei Punkte zum Sieg holen?

Einen steuerte sogleich Kai Brandes, erneut gegen Josef Geddert, der sehr engagiert kämpfte, im Schwergewicht bei. Die Leichtgewichtler Dominic Schmidt und Timon Kuntz lieferten sich dann ein ausgeglichenes Duell. Nachdem Schmidt seinem Karlsruher Gegner in mehreren Bodenrandsituationen schon einmal seine Stärke demonstrierte, verlagerte sich der Kampf hin zu einer von Griffkampf und vorsichtigen Wurfansätzen dominierten Begegnung. Ein Leckerbissen vielleicht für Taktikfans, für Zuschauer und Mannschaftskameraden beider Fans dagegen Nerven aufreibend. Doch gut eine Minute vor Kampfende nutzte Dominic Schmidt einen Innenschenkel-Wurf von Kuntz und übernahm mit Uchi-Mata-Gaeshi und erhielt dafür einen Ippon. Somit war der entscheidende siebte Punkt für Erlangen da.

Doch Karlsruhe gab nicht auf. Halbleichtgewichtler Stefan Freitag besiegte den jungen Daniel Oberbillig knapp mit Yuko. Danach fiel Ivo Wissler im Superleichtgewicht gegen den Erlanger Michael Heinitz auf einen blitzschnellen Wurf mit Waza-ari. Während sich die Erlanger Kämpfer Arm in Arm der Länge nach am Mattenrand versammelten und ihren Michi anfeuerten, seinen Vorsprung zu retten, behielt Ivo Wissler kühlen Kopf. Nach 4 Minuten 37 Sekunden Kampfzeit erwischte er Heinitz so wie der Erlanger ihn kurz zuvor und erhielt einen Ippon dafür.

Das ergab den Endstand 7:6 (62:45). Für den Erlanger Trainer Heiko Koch war denn das Fazit ein erleichtertes „Der Sieg gegen Karlsruhe war hart erkämpft und ist verdient. Allerdings konnten wir unser Potenzial noch nicht richtig abrufen“. Nun bleiben noch knappe zwei Wochen intensiven Trainings, um das Potenzial weiter auszuschöpfen. Denn gegen den nächsten Gegner SV Halle hatten die TVE-Judokas bisher immer einen schweren Stand. Die neue Saison hat also für den TV Erlangen gut begonnen. Aber was der Auftaktsieg vom Samstag wert war, werden erst die weiteren Begegnungen zeigen.



Die Ergebnisse der Begegnung auf der Homepage der Judo-Bundesliga.


Gert Langrock
TV 1848 Erlangen

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