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BayernJudo.de: Judo-Mehrkämpfer sammeln Punkte und Titel
Aus den Bezirken / Schwaben
Donnerstag, 4.5.2006 - 21:12 Uhr

Schwäbische Mannschaftsspiele U11

Judo-Mehrkämpfer sammeln Punkte und Titel

Es ist, als hätten sie mit den Schuhen auch ihr bisheriges Leben abgestreift: Frauen schreien, Männer schlagen auf die Matte. Was das Blut friedliebender Eltern und Trainer so in Wallung bringt, sind ihre Schützlinge, die bei den Schwäbischen Judo-Mannschaftsspielen in der FOS-Turnhalle um Punkte kämpfen. Die Aufregung hat sich gelohnt: Zwei Schwäbische Meistertitel sind die Bilanz des TSV Lindau.

Drei Meter hat sie schon geschafft. Es fehlt noch ein kleines Stück, die Zeit läuft. Am Mattenrand herrscht ohrenbetäubender Lärm. Kinder, Eltern und Betreuer schreien sich die Seele aus dem Leib, um das Mädchen anzufeuern. Das wirkt: Mit letzter Kraft klettert die Kleine das letzte Stück am Seil in die Höhe.
Die Schwäbischen Judo-Mannschaftsspiele, die die Mädchen und Buben unter elf Jahren in der Lindauer FOS-Turnhalle austrugen, waren nichts für schwache Nerven. Dabei standen keine erfahrenen Wettkämpfer, sondern Wettkampfneulinge auf der Matte. Dass sie sich mit soviel Spaß und Courage der Aufgabe stellten, lag auch an der Wettkampfform: Anstatt die Acht- bis Zehnjährigen gleich in einen normalen Wettkampf zu schicken, bei dem nur die persönliche Leistung zählt, geht es hier spielerisch zu. Das Seilklettern auf Zeit ist eine von sechs Stationen, die die Kinder bei den Judo-Mannschaftsspielen durchlaufen müssen. Punkte gibt es für jedes Team beim Weitsprung aus dem Stand, beim schweißtreibenden Pendellauf und auch bei Übungen, die mit Judo zu tun haben: Beim Sumo muss der Partner aus der Matte geschoben werden, an einer anderen Station ist die richtige Technik bei der Befreiung aus dem Haltegriff gefragt, dann wieder der richtige Dreh beim Fußhakeln „O-soto-otoshi“. Die Punkte werden am Schluss addiert, also kein Grund zum weinen, wenn`s mal nicht so klappt.
Das Team aus Kaufbeuren sitzt wie ein ruhender Pol in der aufgeregten Kinderschar: Trainer und Kinder gehen noch einmal diszipliniert Haltegriffe und Würfe durch. Auf dem Weg zum Sieg bleibt zum Spielen keine Zeit.
Lindaus Betreuer und Kämpfer gehen es gelassen an. Schließlich startete der TSV mit zwei jungen Teams. Einigen Mädchen und Buben musste Wettkampfleiter Alfred Kaeß noch am Vortag Mut zusprechen und sie per Telefon zu ihrem ersten Wettkampf überreden. Das sollte belohnt werden. Lautstark angefeuert von Mamas, Papas und Vereinskameraden machten sich die Mädchen und Jungs auf Punktejagd. Tolle Leistungen zeigten die Lindauer Kämpfer allesamt beim Seilklettern, wo ansonsten erstaunlich wenige Kinder der Schwerkraft trotzen konnten. Da die Mädels auch beim Fußwurf und bei der Haltegriffstation nicht zu schlagen waren, kämpften sie sich an Schwabens Spitze vor Kaufbeuren, Memmingen und einer Kampfgemeinschaft.
Am Mattenrand gehen Vereinskameraden und Betreuer auf Tuchfühlung, Mamas und Papas zücken Kameras: Die Spannung steigt, als Lindaus Jungs als Zweite der Vorrunde ins Finale gegen Augsburg einzieht. Die Lokalmatadoren bringen zwar einen kleinen Vorsprung aus den Messstationen mit, zeigen aber beim Sumo und bei den Haltegriffen Schwächen. Es wird eng, da hilft auch alles Anfeuern nichts. „Das ist ja nicht auszuhalten“, sagt eine Mutter und schlägt die Hände vors Gesicht. Am Ende waren es gerade mal zwei Punkte Vorsprung – und Lindau stand im Finale gegen Kaufbeuren.
Höchste Zeit für klare Worte und einen Haltegriff-Blitzkurs. Der zeigt Wirkung: Im Finale nageln Lindaus Jungs ihre Gegner auf der Matte fest und schaffen, was am Morgen niemand für möglich gehalten hatte: Sie werden Schwäbische Meister.

Holger Schmidt
Bez.-Jugendleitung Schwaben

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