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BayernJudo.de: Besonderes Geschenk am Nikolaustag
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Mittwoch, 13.12.2006 - 12:56 Uhr

6. Dan für Kerstin Amann

Besonderes Geschenk am Nikolaustag

Nikolaustag im TV Erlangen: Als Einzige im Dojo nichts von der bevorstehenden Ehrung ahnend, hatte sich Kerstin Amann mit "Lockvogel" Michaela Prehm zum Randori-Training verabredet und absolvierte wie alle anderen Sportler ihre Übungen zur Erwärmung. Mitten im Training betraten Gerhard Fleißner und Bianca Mederer, Präsident und Vize-Präsidentin des Bayerischen Judo-Verbandes, die Halle. Im Gepäck ein Nikolausgeschenk der besonderen Art: der 6. Dan für Kerstin Amann.


Erste bayerische Kampfrichterin mit der IJF-A-Lizenz.
In der Mitte ihrer Trainingskameraden wurde sie dann von Gerhard Fleißner auf Grund ihrer besonderen Verdienste um den Judo-Sport mit dem 6. Dan geehrt. In seiner kurzen Ansprache begründete der BJV-Präsident die Ehrung mit ihrem hohen Engagement als Kampfrichterin, seit Februar 2006 als erste bayerische Kampfrichterin mit IJF-A-Lizenz, sowie früher auch als erfolgreiche Wettkämpferin und Trainerin mit B-Lizenz.

Für Kerstin Amann war es eine schöne Überraschung. Zwar hatten schon einige Judokas aus anderen Landesverbänden nach der DJB-Mitgliederversammlung im November, auf der die Verleihung beschlossen wurde, gratuliert und einen Teil der Überraschung vorweggenommen, aber vom konkreten Termin der Verleihung wusste sie nichts. Und sie freute sich über die Ehrung: "Man hat keinen Anspruch auf den 6. Dan", so die Erlanger Professorin, die 1996 ihre Prüfung zum 5. Dan abgelegt hatte, in aller Bescheidenheit. "Im Gegensatz zu den anderen Dan-Graden mit ihren Prüfungen hat man es nicht selbst in der Hand, ihn zu bekommen. Umso schöner ist es, wenn andere finden, dass man ihn bekommen soll. Ich freue mich über diese Wertschätzung."

Dass Kerstin Amann einmal so weit kommen würde, hätte sie wohl nicht geahnt, als sie im Alter von 7 Jahren bei der TSG Backnang mit Judo begann. Sie war viele Jahre als Kämpferin aktiv und hatte mehrere Titel auf Landesmeisterschaften und Süddeutschen Meisterschaften. Der Griff nach einer Medaille bei den Deutschen Meisterschaften blieb ihr einige Male knapp versagt. Im Alter von 16 Jahren begann sie auf Initiative ihres Trainers auch als Kampfrichterin - zunächst auf Grund ihres Alters noch ohne offizielle Lizenz. Ab dem 18. Geburtstag ging es dann zügig voran - mit dem Schiedsen, aber auch beim Medizinstudium. Letzteres führte sie nach Heidelberg, wo sie die Forschung im Fachgebiet Pathologie für sich entdeckte. 1990 erwarb Kerstin Amann ihren Doktortitel, 1998 habilitierte sie sich und 1999 wurde sie als Extraordinarius an die Universität Erlangen berufen. Dort ist sie heute immer noch tätig und beschäftigt sich mit ihrer Forschergruppe hauptsächlich mit Nierenschäden.

Parallel dazu führte sie ihre Kampfrichter-Laufbahn 1999 zur IJF-B-Lizenz und 2006 zur IJF-A-Lizenz. Auf dem Weg dahin hat sie selten ein Turnier ausgelassen, um sich optimal auf die Prüfung beim Supercup-Turnier in Budapest vorzubereiten. "Ich nutze jede Möglichkeit zu schiedsen, wenn es geht. Ich sehe keinen großen Unterschied, ob ich auf einer Bezirksmeisterschaft, Landesmeisterschaft oder der Deutschen Meisterschaft, bei Jugendlichen oder Männern und Frauen schiedse. Da gibt es überall spannende Kämpfe."

Zielstrebigkeit in beruflichen und sportlichen Belangen ist charakteristisch für Kerstin Amann: "Meine private Motivation ist, wenn ich einen Weg begonnen habe, will ich ihn auch zu Ende gehen. Ich habe immer gesagt, wenn sich eine Chance ergibt, werde ich sie ergreifen. Ich bin nicht jemand, der etwas mit allen Mitteln will - das bringt nichts. Aber wenn sich die Möglichkeit eröffnet, dann darfst du nicht zögern." Kerstin Amann hat nicht gezögert, ihre Chance als Kampfrichterin zu ergreifen. Frühzeitig gefördert, besonders aber vom ehemaligen Gruppen-Kampfrichterreferenten Ingo Rusch, hat sie nun die höchste mögliche Lizenz erreicht. Mit ihr könnte sie theoretisch auch bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen als Kampfrichterin auftreten. Doch die sind derzeit nicht in Reichweite, da andere deutsche Kampfrichter Kandidaten für diese Turniere sind. Kerstin Amann nimmt es hin und verweist auf andere Turniere, bei denen sie schon eingesetzt
war: "Auch eine Europameisterschaft ist eine tolle Erfahrung", sagt sie und schwärmt dann: "Der absolute Höhepunkt bisher war das Tournoi de Paris ... die Stimmung, das Flair...". Und während sie, wie so viele vor ihr, von diesem Turnier schwärmt, weiß man plötzlich nicht mehr, ob da gerade die Kampfrichterin, Trainerin oder Kämpferin Kerstin Amann schwärmt. Aber vielleicht ist das auch nicht wichtig - sie hat alles noch im Blut. Der Nikolaus hätte den 6. Dan keiner Besseren bringen können.

Gert Langrock

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