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BayernJudo.de: Effizientere Planung für Kampfrichter
Kampfrichter
Donnerstag, 22.3.2007 - 23:55 Uhr

KRAS - Kampfrichter-Anmeldesystem

Effizientere Planung für Kampfrichter

Seit 2006 erleichtert den rund 250 bayerischen Kampfrichtern ein webbasiertes Informationssystem (KRAS) die Anmeldung zu Wettkämpfen. Wir sprachen mit den beiden Verantwortlichen, Matthias Kolonko (FH Augsburg) und Hinnerk Hagenah (BJV-Kampfrichterkommission), über das beispielhafte Projekt.

Ein Kampfrichter-Anmeldesystem (KRAS) im Internet - wofür braucht man das?


Hinnerk Hagenah
Hinnerk Hagenah: Für eine effizientere Terminplanung. Es gibt zwei Seiten, die Vorteile von einem solchen System haben: Kampfrichter und Kampfrichter-Obleute. Vor KRAS lief es ziemlich kompliziert: Die Kampfrichter haben gegen Jahresende den Obleuten per Post oder E-Mail mitgeteilt, wann sie im nächsten Jahr einsatzbereit sind. Basierend auf diesen Aussagen wurde dann eine Jahresvorplanung gemacht. Im Laufe des Jahres wurden dann die Einteilungen verschickt. Problem für den normalen Kampfrichter war, dass er im Dezember unmöglich vorhersagen konnte, ob vielleicht andere Termine seinen Einsatz im Herbst des Folgejahres gefährden. Folglich musste er Einteilungen absagen. Wegen der schon existierenden Vorplanung konnte es dann aber zu Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Auflagen für den Lizenzerhalt kommen. Außerdem mussten die Obleute Ersatz einteilen und wenn der dann auch absagte ...

Also ein endloser Reigen, bis die Einteilung stand?

Hinnerk Hagenah: Ja, ein Reigen mit vielen Telefonaten, Briefen oder E-Mails. Dank KRAS kann jeder Kampfrichter heute jederzeit die von ihm angebotenen Meisterschaften mit seinem Terminplan abstimmen. Die Obleute haben aktuelle Daten für Ihre Planungen und können so Iterationen vermeiden und auf die Bedürfnisse der einzelnen Kampfrichter für Lizenzerhalt oder Entwicklung besser eingehen. Insgesamt wird Arbeit gespart und das Erkennen und Fördern talentierter Kampfrichter leichter möglich.


Die Anmeldung zu Wettkämpfen erfordert für Kampfrichter nur noch einen Mausklick. Dann können sie auch eingeteilt werden.


Wie kam das Projekt KRAS letztlich zustande und wer war daran beteiligt?

Matthias Kolonko
Matthias Kolonko: Ich studiere Wirtschaftsinformatik an der FH Augsburg. Ich hatte die Idee, im Rahmen meiner Projektarbeit diese webbasierte Anwendung zu machen, da mir die genannte Problematik schon länger aufgefallen war. Die Vorteile lagen auf der Hand: Der BJV hatte die Chance, eine Anwendung quasi kostenlos zu bekommen, und die Projektteilnehmer hatten die Möglichkeit, extrem praxisnah zu arbeiten und auch ein System zu erarbeiten, dass produktiv gehen soll. Dies ist nicht selbstverständlich und motiviert auch ungemein. Ich konnte auf diese Weise das technische mit dem fachlichen Wissen aus der Kampfrichterei verbinden. Vor zwei Jahren sprach ich über meine Idee mit Hinnerk und unserem KR-Referenten Herbert Eberlein - sie waren sofort einverstanden. Letztlich waren dann 15 Leute beteiligt: 13 Studenten mit mir als Schnittstelle zwischen BJV und FH, Hinnerk als Vertreter der Kampfrichter-Kommission und Professor Erdlenbruch als Betreuer.

Hinnerk Hagenah: Der KR-Referent des BJV hatte schon vor dem Kontakt mit Matthias die Idee eines solchen Systems geäußert. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt aber kein Konzept für eine Umsetzung und wären vermutlich nicht in der Lage gewesen, etwas auf die Beine zu stellen, was dem heutigen System auch nur in Ansätzen nahe kommt. Von daher war die Freude groß, als Matthias kam und Türen durchschreiten wollte, durch die sonst keiner gehen mochte.

Wie lange hat die Entwicklung gedauert?

Matthias Kolonko: Hm, schwere Frage. Die Projektarbeit startete im März 2005 und die Abschlusspräsentation war dann Ende Juni. Während dieser Zeit arbeiteten die 13 Leute an dem System. Wenn z. B. alle Beteiligten im Schnitt einen Tag pro Woche daran gearbeitet haben, kommen wir bereits auf über 200 Manntage. Die Entwicklung war danach aber noch nicht abgeschlossen. Nach der „Übergabe“ arbeitete ich alleine, teils in Nachtschichten, weiter, um Bugs zu beheben und weitere Funktionen einzubauen, die unerlässlich waren und dies erst im Produktivtest festgestellt wurde. Die Arbeit ist vor kurzem mit der Implementierung einer Reportingfunktion zu einem vorläufigen Ende gekommen.
Der Vergleich der Leistungen von Kampfrichtern wird dank KRAS einfach und transparent.


Wie und mit wem lief die Planung?

Matthias Kolonko: Die Planung wurde während der Projektarbeit durch ein dreiköpfiges Team erstellt, dem auch ich angehörte. Wir setzten uns dabei auch gewisse Meilensteine und Deadlines. Am Ende übernahmen Hinnerk und ich, um den „Rollout“ durchzuführen. 2006 lief als Testjahr, in dem noch weitere Anregungen und Erfahrungen gesammelt werden sollten. Ich implementierte die zusätzlichen Funktionen und wir hoffen, jetzt ein System zu haben, das 2007 endgültig zur Verfügung steht. Es ist so allgemeingültig gehalten, dass es auch andere Verbände und andere Sportarten problemlos, d.h. ohne weiteren Programmieraufwand, übernehmen können. Sie müssen lediglich die zentrale Konfiguration und das Backend administrieren und eventuell noch etwas Arbeit in das Layout stecken.
Die Einsatzübersicht verschafft der KR-Kommission einen Überblick über die Auftritte ihrer Kampfrichter.


Gibt es andere Verbände, die sich für KRAS interessieren?

Hinnerk Hagenah: Im Moment habe ich nur zwei Interessensbekundungen außerhalb Bayerns. Vermutlich liegt die Schwierigkeit in der Verbreitung der Kenntnis vom System. Damit die anderen Landesverbände KRAS kennen und schätzen lernen, müssten sie es sehen. Aber auch da mag es noch Gelegenheiten zu Präsentationen geben. Das System ist ja im Prinzip auf jedem Laptop mit einem Webserver für Demonstrationen lauffähig.

Wie wird das System von den Kampfrichtern angenommen?

Hinnerk Hagenah: Hervorragend. Wir haben eine hundertprozentige Akzeptanz bei allen Kampfrichtern, die einen Internetzugang haben. KRAS hat schon in diesem Testjahr die bisherige Form der Verwaltung, Einteilung und Notenarchivierung vollständig ersetzt, trotz kleiner Schwierigkeiten in der Anlaufphase.

Also sind Telefonate überflüssig geworden?

Hinnerk Hagenah: Das System kann den telefonischen Kontakt nicht vollständig ersetzen, da einige Absagen und Änderungen aus triftigen, oft unerfreulichen Gründen so kurzfristig erfolgen, dass ein Überprüfen der E-Mail bei elektronischer Einteilung nicht als sicher angenommen werden kann. Aber dieser Anteil ist sehr viel geringer geworden. Persönlich bin ich letztes Jahr ein Mal wegen eines kurzfristigen Einsatzes angerufen worden. Das ist absoluter Minusrekord. Selber musste ich niemanden anrufen, damit er kurzfristig bei einer Absage einspringt. Auch das ist mit Sicherheit ein Rekord.

Wie lautet das Fazit?

Hinnerk Hagenah: Die genannten Vorteile, weniger Arbeit für die Kommission und höhere Planungssicherheit an den Wochenenden für die Kampfrichter, konnten vollständig realisiert werden - und das schon im Probejahr. Für Kampfrichter ohne Internetzugang wird es eine Papierform der Terminabfrage weiterhin geben, und sie werden auch weiterhin postalisch eingeladen. Es wird also niemand ausgeschlossen oder gezwungen, sich einen Internetzugang zuzulegen - die Zahl der Kampfrichter ohne Internetzugang ist aber gering.



KRAS in Kürze

- KRAS: Kampfrichter-Anmelde-System
- Projekt der FH Augsburg und des BJV
- für Kampfrichter: zeitnahe Anmeldung zu Wettkämpfen, Übersicht über Bewertungen, Kontaktdaten aller BJV-Kampfrichter
- für KR-Kommission: Einteilung der Kampfrichter, E-Mail-Benachrichtigung an Kampfrichter, Pflege der Wettkampftermine, Eingabe der Bewertungen der Kampfrichter, Auswertefunktionen
- Kosten: KRAS kann weitergegeben werden gegen Nachweis einer Spende von 200 Euro an die SOS-Kinderdörfer
- Technik: basiert auf MySQL/PHP, benötigt einen Webserver bzw. Webspace
- Kontakt: matthias.kolonko@b-j-v.de, hinnerk.hagenah@b-j-v.de


Gert Langrock
BJV-Presseteam

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