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BayernJudo.de: Bayerische Paare mit Anschluss an die Spitze
Sportgeschehen / Verschiedene
Donnerstag, 12.7.2007 - 02:07 Uhr

Deutsche Katameisterschaft in Flein

Bayerische Paare mit Anschluss an die Spitze

Kata – für viele Judokas ein Wort, das sie an den lästigsten Teil ihrer Gürtelprüfung erinnert. Für andere dagegen ist diese traditionelle Form des Judos eine weit über die Gürtelprüfung hinausgehende tiefgründige und anspruchsvolle Beschäftigung mit Judoprinzipien. Da die Schar dieser Judokas in Deutschland immer größer wird, treffen sich die Besten von ihnen seit einigen Jahren regelmäßig zur Deutschen Katameisterschaft und vergleichen ihre Fortschritte.

Dieses Jahr fand die Katameisterschaft am 16./17. Juni im württembergischen Flein bei Heilbronn statt. Der BJV hatte 11 Paare sowie mit Klaus Richter auch einen Wertungsrichter am Start. Ziel war für die BJV-Vertreter, zu den bisher dominierenden Paaren aus Hessen, Nordrhein-Westfalen oder Brandenburg aufzuschließen und womöglich sogar eine Medaille zu gewinnen.

Allerdings war das nicht leicht, denn Kata-Meisterschaft ist Fehlersuche. Die meisten Punkte bekommt der, der die meisten Fehler macht. Und Kata-Meister wird der mit der geringsten Punktzahl – klar, er hat ja auch die wenigsten Fehler gemacht. Das Bewertungssystem ist dabei einfach zu erklären. Für kleine Fehler gibt es 1-3 Punkte, für mittlere Fehler 4-7 Punkte, für grobe Fehler oder eine falsche Technik gibt es 20 Punkte und wer gar eine Technik vergisst, erhält 40 Punkte. Jede Kata wird von 5 Wertungsrichtern und 1 Hospitanten bewertet. Von den 5 Bewertungen werden die beste und die schlechteste gestrichen. Die verbleibenden 3 Wertungen werden addiert und ergeben die für die Bewertung maßgebliche Gesamtpunktzahl.

Im Klartext heißt das: Wer zur Kata-Meisterschaft antritt, muss vorher intensiv geübt haben, um Fehler in der Durchführung zu eliminieren und eine unter Wettkampfbedingungen stabile Form der Kata vorführen zu können. Keine leichten Voraussetzungen für die bayerischen Kata-Spezialisten also, da ja auch die Starter aus anderen Landesverbänden an ihren Katas feilen und ihren Vorsprung halten wollen.

Auf dem Programm der Meisterschaft standen Vorführungen der Nage-No-Kata, Katame-No-Kata, Kodokan-Goshin-Jutsu-No-Kata und der Juno-Kata. Dazu kam noch der Jugendpokal in der Nage-No-Kata, der helfen soll, der begeisterten Beschäftigung mit Kata auch schon bei Jugendlichen den Weg zu bereiten. Schließlich ist Kata nicht nur eine Angelegenheit älterer Sportler, sondern durchaus eine brauchbare Alternative zum Wettkampf auch für junge Judokas.

Jugendpokal Nage-No-Kata

Im Jugendpokal traten 15 Paare an. Zwar war dort die durchschnittliche Punktzahl deutlich höher als bei den Erwachsenen, aber von der Qualität der Vorführung hätten sich dennoch etliche Anwärter auf den 1. Dan inspirieren lassen können. Aus Bayern waren vier Paare am Start, die mit den Plätzen 6, 7, 11 und 13 ein ordentliches Ergebnis abgeliefert haben. Zwar ist der Anschluss an die deutsche Spitze (Platz 1 mit 523 Punkten) noch nicht geschafft, aber hinter den führenden Paaren aus Nordrhein-Westfalen tut sich ein weites Feld von Paaren ähnlicher Leistungsstärke auf. Das zeigen die Punktzahlen: Platz 6 für Tobias Ibler/Christina Schleder (TB Weiden) mit 810 Punkten, Platz 7 für Julia Rieß/Christin Bolleininger (JC Marktredwitz/TB Weiden) mit 852 Punkten und Platz 11 für Evelyn Bolleininger/Susanne Schieder (TB Weiden) mit 859 Punkten. Die Newcomer vom Judoteam Ansbach, Martina Ulherr und Heidrun Adolf kamen mit 1003 Punkten auf dem 13. Platz ein. Dieses Ergebnis stellt gegenüber dem Vorjahr eine deutliche Leistungssteigerung dar.



Nage-No-Kata

In der Nage-No-Kata gingen die bayerischen Katameister Martin Jung und Magnus Jezussek (TV 1848 Erlangen) an den Start. Die beiden ambitionierten Erlanger hatten sich den Anschluss an die deutsche Spitze vorgenommen, blieben aber im Feld der 20 Starter mit 499 Punkten auf einem undankbaren 7. Platz (2 Punkte Abstand zum 6. Platz) hängen. Grund waren zwei deutlichere Fehler bei ihrer Vorführung. Sonst wäre der Kontakt zur Spitzengruppe vielleicht hergestellt.



Katame-No-Kata

In dieser Kata war es unheimlich eng, liegen doch Platz 2 und 11 nur 83 Punkte auseinander. Der 6. Platz für Stefan Bolleininger/Thomas Kraus (TB Weiden/1. JC Weiden) mit 246 Punkten ist eine beeindruckende Leistung, hier ist die Spitze eindeutig in Sichtweite. Die beiden anderen angetretenen Paare des BJV platzierten sich auf den beiden letzten Plätzen. Aber auch so ist der Bruch eigentlich bei Platz 12 zu sehen. Der 6. Platz lässt hoffen und das Paar Bolleininger/Kraus hat in Zukunft sicherlich alle Möglichkeiten, vorne mitzumischen.



Kodokan-Goshin-Jutsu-No-Kata

Die Wertung dieser Kata ist aus bayerischer Sicht ein kleiner Skandal. Die Vorjahreszweiten und EM-Starter Heribert Hartmann/Sebastian Klinger (TSV Altusried) nach einem sauberen Durchgang auf Platz 5 (327 Punkte) mit deutlichem Abstand zu den Finalisten zu platzieren, war für viele unverständlich. Grund dürfte ein nicht ausreichend ausgearbeiteter Bewertungsmaßstab der Wertungsrichter sein, da die Bewertungen der Kata von Hartmann/Klinger ungewöhnlich stark voneinander abwichen.

Vergleiche mit den Vorjahren verbieten sich in diesem Fall, da der BJV mit diesem Paar eigentlich den Stand der Technik darstellte. Es ist davon auszugehen, dass sie das bei weiteren Meisterschaften auch wieder sein werden. Erfreulich ist, dass das zweite bayerische Paar Marion Flügel/Jürgen Billmeir (TV Garmisch-Partenkirchen) mit 442 Punkten den Anschluss mit Platz 9 geschafft hat. Das selbst gesteckte Ziel der einstelligen Platzierung ist erreicht, nach dem Durchgang und Kommentaren anderer Starter hätte der Platz sogar noch etwas besser sein können. Insgesamt traten mit dieser Kata 14 Paare an.



Juno-Kata

Das Lob für Hinnerk Hagenah/Magnus Jezussek (TV 1848 Erlangen) zuerst. Ihnen wurde ein guter Rhythmus ihrer Juno-Kata bescheinigt. Die erreichten 275 Punkte reichten bei Abwesenheit gravierender Fehler jedoch trotzdem nur zur Vorjahresplatzierung, Platz 8 in einer Menge von 14 Paaren. Auch hier war das Feld sehr eng mit 80 Punkten Differenz zwischen den Plätzen 4 bis 11. Somit bleibt auch diesem Paar noch die Möglichkeit, nächstes Jahr deutlich näher an die Spitzengruppe herabzurücken.



Was bleibt

Was bleibt als Ergebnis? Zunächst der Eindruck, dass die Zeiten des "Hobby-Kata-Wettkampfes" wohl vorbei sind. Die Sieger dieser Meisterschaft, allesamt erfahrene Paare, verwiesen die meisten anderen Teilnehmer mit deutlichem Abstand auf die hinteren Plätze.

Für den BJV heißt das, dass er noch am Anfang eines langen Weges ist. Der beginnt schon in der Jugend, wie das hessische Paar Racky/Racky beweist, schließt aber im Gegensatz zu herkömmlichen Judo-Wettkämpfen Spätstarter keineswegs aus.

Es bleibt zu hoffen, dass es weiter Unterstützung und noch ein paar Begeisterte gibt, die sich im Rahmen einer solchen Meisterschaft die unterschiedlichsten Facetten des Judosports vom Boden über langsame und schnelle Standtechniken bis hin zu sehr alten und sehr modernen Formen der Selbstverteidigung demonstrieren lassen wollen.

Hinnerk Hagenah/Gert Langrock

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