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BayernJudo.de: „Eine Auszeichnung für den Stützpunkt Großhadern“
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Mittwoch, 31.10.2007 - 01:34 Uhr

Ralf Matusche – DJB-Trainer des Jahres

„Eine Auszeichnung für den Stützpunkt Großhadern“

Seine Freude war verhalten. „Mir ist diese Ehrung fast ein bisschen peinlich.“ Ralf Matusche hatte bei der Deutschen Meisterschaft in Neuhof ein zweitägiges Auf und Ab der Gefühle beim Wettkampf hinter sich, als ihn die Auszeichnung des Deutschen Judo-Bundes als Trainer des Jahres im Bereich Leistungssport vollkommen überraschend ereilte.

Medaillengewinne und Abstürze seiner Sportler lagen eng beieinander und wurden durch eine Verletzung von Florian Lackner überschattet, der als einer der Favoriten auf den Titel im Leichtgewicht galt.

Und Matusche übte sich gleich in Bescheidenheit. „Ich sehe diese Auszeichnung vor allem als Auszeichnung für das Gesamtwerk des Stützpunkts in Großhadern, also auch für die Arbeit von Richard und Lorenz Trautmann. Ich will mich da nicht mehr hervorheben als andere.“

Das ist nicht einfach dahergesagt. In der Tat ist durch das Zusammenwirken dieser drei Trainer gemeinsam mit vielen anderen engagierten Kräften möglich geworden, dass in München seit den neunziger Jahren konstant Spitzenkämpfer ausgebildet werden. Der Triumph Florian Wanners bei der WM 2003 in Osaka ist da nur das sichtbarste Zeichen.

Dass er einmal als Weltmeister-Trainer dastehen würde, hätte er sich vor über 20 Jahren nicht träumen lassen. Damals studierte der Nationalmannschaftskämpfer an der TU München Diplomsportwissenschaften mit Schwerpunkt Rehabilitation und konnte von seinem Wechsel ins Trainerfach noch nichts ahnen. Doch der damalige Bundestrainer Heiner Metzler verordnete seinen Sportlern zu jener Zeit, in einem zweiwöchigen Intensivlehrgang den Trainer B-Schein machen. Nicht genug damit, legte Ralf Matusche zur gleichen Zeit auch die Prüfung zum 2. Dan ab.

Nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft kam dann Anfang der neunziger Jahre der offizielle Wechsel ins Trainerfach und er übernahm in Großhadern zunehmend die Verantwortung. Seine eigenen Erfahrungen als Kämpfer gibt er dabei weiter: „Ich habe, als ich in Augsburg mit Judo angefangen habe, eine ganz andere Grundausbildung gehabt als sie unsere Münchner Jugendlichen bekommen. Aber ich sah mich nie als Talent, sondern als Arbeiter, der sich alles hart erarbeiten musste.“ Und genau das verlangt der 44-jährige Träger des 5. Dan auch von seinen Sportlern, auch wenn er normalerweise weniger ein autoritäres als vielmehr ein lockeres Verhältnis zu ihnen pflegt. „Ich will, dass die Sportler hart arbeiten und sich auch mal im Training quälen.“


Glückwunsch vom DJB-Präsidenten Peter Frese: Der Trainer des Jahres Ralf Matusche
Foto: Gerhard Fleißner

Dabei ist ihm wichtig, dass die Grundlagen für leistungssportliches Training schon frühzeitig gelegt werden. „Man sollte schon Jugendlichen mit 12, 13 Jahren beibringen, leistungssportlich zu trainieren. Wenn man vier Mal pro Woche trainiert, kann man damit viel erreichen. Aber wenn ein Talent sich lange auf sein Können verlässt, wird es später schwierig, ihm noch das Arbeiten beizubringen.“

Doch auch die praktische, technische Seite vernachlässigt der Trainer des Jahres nicht. Viel Wissen um Techniken kann er vom U17-Bundestrainer Richard Trautmann abstauben: „Der Richard ist mein größter Ratgeber und ein begnadeter Techniker. Von ihm kann man viel lernen.“ Ebenso helfen Trainingscamps Matusche, auf der Höhe der Zeit zu bleiben: „Die internationalen Trainingslager sind der größte Marktplatz für neue Techniken.“

Bleibt bei soviel Beschäftigung mit Judo denn auch Zeit für Privatleben? Ralf Matusche lacht. Ja, sicher. Für seine beiden Kinder Emma und Lukas macht er zum Beispiel die Mittagsbetreuung. Und dank ihrer Schulaufgaben, erzählt er, sei er jetzt ein großer Lateiner geworden. Latein ist nicht leicht. Aber es zeigt sich auch hier: Ralf Matusche ist ein zäher Arbeiter.

Gert Langrock
BJV-Presseteam

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