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BayernJudo.de: Wir Bayern stehen sehr gut da
Verband
Dienstag, 10.6.2008 - 21:18 Uhr

BayernJudo exklusiv: Interview mit BJV-Präsident Gerhard Fleißner

Wir Bayern stehen sehr gut da

Nach der Wiederwahl des Präsidiums des Bayerischen Judo-Verbandes auf dem Verbandstag in Neumarkt vor einem Monat steht BJV-Präsident Gerhard Fleißner im exklusiven BayernJudo-Interview Rede und Antwort und schaut auf Erreichtes wie auf bevorstehende Aufgaben.


Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl als BJV-Präsident. Gemessen an den Abstimmungsergebnissen schienen die Delegierten mit der Arbeit des Präsidiums und Gesamtvorstandes sehr zufrieden zu sein. Welche Bilanz ziehen Sie für die letzten zwei Jahre?

Der ruhige Ablauf des Verbandstages 2008 war für mich mehr als überraschend. Standen doch sehr viele Satzungsänderungen auf der Tagesordnung und die vergangene Amtszeit verlief ja auch in der Zusammenarbeit Präsidium und einzelne Ressorts nicht so wie man sich das wünscht. Gerade mir gegenüber gab es aus zwei Ressorts doch erhebliche Vorwürfe.

In den letzten beiden Jahren haben wir (das Präsidium) unsere Kontakte zu DJB, OSP, KM und BLSV weiter gefestigt - wir haben einen sehr guten Ruf. Die interne Zusammenarbeit mit dem BSP München und den Trainern war hervorragend. Hier werden Kritik und Anregungen des Präsidiums positiv aufgenommen, die Zusammenarbeit ist auf einem guten Niveau. Mit dem einen oder anderen Ressort ist das nicht ganz so einfach. Nachfragen oder vorsichtige Kritik wurden als Misstrauen oder gar Einmischung betrachtet.

Wie steht der BJV im DJB und im Vergleich zu anderen Landesverbänden da?

Die Landesverbände im DJB kann man m.E. nicht so ohne Weiteres vergleichen, zu unterschiedlich sind die Strukturen und Zielrichtungen. Wir Bayern stehen sehr gut da. Insbesondere was unsere Erfolge im Nachwuchsbereich betrifft. Ich glaube sagen zu können, dass wir mit der geringsten Anzahl an hauptamtlichen Trainern und Honorartrainern sehr erfolgreich sind.

Welchen Einfluss hatte die Beitragserhöhung Anfang 2007? Kann sich der BJV jetzt mehr Aktivitäten leisten oder schwimmt er gar im Geld?

Im Dezember 2006 wurde auf dem außerordentlichen Verbandstag mit unerwartet hoher Zustimmung die Erhöhung der Jahresbeitragsmarke genehmigt. Die Mehreinnahmen haben dem Bayerischen Judo-Verband ermöglicht, z.B. die Behinderten deutlich besser zu fördern. Im Bereich des Breitensports konnten wir ebenfalls unsere Aktivitäten erhöhen. Vor allem sind wir in die Lage versetzt worden, uns ernsthafte Gedanken zur Anstellung eines zweiten hauptamtlichen Landestrainers machen. Unser Haushalt ist sehr solide, lässt allerdings auch mit der Erhöhung noch keine großen Sprünge zu.

Wie ist der Stand bei der Besetzung der zweiten Landestrainer-Stelle? Wie wird die finanziert und wie lange stehen die Mittel dafür zur Verfügung?

Am Mittwoch, den 28.05. fanden ein Probetraining und ein Einstellungsgespräch mit dem ausgewählten Bewerber statt. Der Trainer hat uns für die für ihn vorgesehenen Aufgaben überzeugt und passt nach unserem ersten Eindruck gut in unser Konzept. Wir haben ihm die Stelle angeboten, der neue Trainer Jan Schmidt hat zwischenzeitlich zugesagt. Der Vertrag wird in diesen Tagen unterschrieben. Jan Schmidt wird am 01. Oktober 2008 seine Stelle in Nürnberg antreten.

Das Trainergehalt wird „reinrassig“ aus dem Haushalt des BJV finanziert. Der BJV erhält vom BLSV jährliche Trainermittel, die nur für Trainer ausgegeben werden dürfen. Diese Trainermittel sind allerdings erfolgsabhängig und werden im zweijährigen Rhythmus festgelegt. Die Grundlage legt natürlich das bayerische KM fest, das die Mittel zur Verfügung stellt. Der Vertrag mit Jan Schmidt läuft vom 01. Oktober 2008 bis zum 31. Dezember 2012.

Wie soll der zweite Landestrainer speziell im Raum Nordbayern tätig werden?

Jan Schmidt ist unser Trainer an der BBS Nürnberg und hält somit dort auch die morgendlichen Trainingsstunden an der Schule. Hier löst er die Trainer Jörg Bischoff und Andreas Grünewald ab, die hier jahrelang gute Arbeit geleistet haben.

Zusätzlich zum Training an der BBS werden die BBS-Athleten ab Bezirksebene vom neuen Trainer betreut. Das war bisher grundsätzlich nicht der Fall.
Des Weiteren werden die Nordbayernrandoris, LG-Maßnahmen etc. von ihm organisiert und geleitet. Hier wird eine enge Zusammenarbeit mit den Bezirken erwartet.

Die Talentsichtung und das Heranführen des nordbayerischen Nachwuchses an Leistungs- und Hochleistungstraining ist sein Schwerpunkt.

Werden auch die kleineren Stützpunkte von ihm mit betreut oder fallen die langfristig herunter?

Im ersten Ansatz werden alle nordbayerischen Stützpunkte vom „Nordbayern-Trainer“ monatlich einmal angefahren und betreut, d.h. Aschaffenburg, Höchberg, Bamberg und Hof. Im Nachwuchslandesstützpunkt (NLS) Altdorf trainiert er einmal wöchentlich. Im Bezirk Oberpfalz gibt es derzeit keinen BJV-Stützpunkt.

Jan Schmidt hat den klaren Auftrag zu prüfen, ob sich das Stützpunktkonzept (hier in Nordbayern) so bewährt. Die derzeitigen Stützpunkte haben keinen Bestand auf Dauer. Sehr wichtig ist uns die Mitarbeit und Unterstützung durch die Bezirke.

Worin sehen Sie die Arbeitsschwerpunkte des Präsidiums für die nächste Amtszeit und wo sehen Sie den BJV im Jahr 2012?

Hier haben wir uns vom Präsidium bereits bei unserer Präsidiumssitzung am 26. Mai, also bereits drei Wochen nach dem Verbandstag zusammengesetzt und einen Blick in die Zukunft bis 2010 bzw. 2012 geworfen.

Grundsätzlich gilt es zwei Schwerpunkte zu nennen:
- Den Leistungssport zu optimieren und mit genügend Trainern auszustatten
- und den Breitensport mit dem Motto, so wie auf der Klausurtagung im September 2007 besprochen, „Judo von 0 bis 100 betreiben“ voranbringen. Hier haben wir ganz einfach noch Defizite.

Werden die "normalen" Judokas von dieser Arbeit etwas bemerken?

Es ist ausdrücklich gewünscht, dass die „normalen Judoka“ die Aufbruchsstimmung, die wir brauchen, um vieles umzusetzen spüren und einfach mitmachen, ohne sich mit Neuem belastet zu fühlen.
Der „normale Judoka“ wird nur etwas spüren, wenn sein Trainer das auch „rüberbringen“ kann.

Welche Erwartung haben Sie an die Judokas des BJV?

Dass unsere Judoka weiter so engagiert Judo betreiben und vor allem, dass sie unseren Judo-Sport hinaustragen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit unter dem Motto: Judo ist die Nr. 1 der Sportarten für alle Altersklassen.

Wo sehen Sie die Leistungssportler des BJV langfristig? Werden die bayerischen Athleten Anschluss an die Weltspitze bekommen?

Hier muss ich zwischen den männlichen und den weiblichen Judoka unterscheiden. Unsere Mädchen und jungen Frauen haben die Chance sich in der nächsten Generation nach den Olympischen Spielen 2008 in der Weltspitze zu platzieren.

Bei den Jungs und jungen Männern bin ich da sehr skeptisch. Viele, wenn nicht alle Talente, sind Talente geblieben und konnten sich bisher kaum in der internationalen Spitze durchsetzen. Einzelne Ausnahmen ausgenommen. Bei den Männern weht allerdings ein wesentlich härterer Wind.

Wie wollen Sie wieder mehr Judokas dazu bringen, sich ehrenamtlich zu engagieren? Auf Funktionärsebene liegt ja die Arbeit nur auf relativ wenige Schultern verteilt?

Das wird wohl das größte Problem werden. Auf der einen Seite haben wir auf BJV-Ebene Funktionäre, die ihre Arbeit gut und sehr gut erledigen. Sie fühlen sich stark belastet oder gar überlastet. Aber niemand will auch „etwas abgeben“. Z.B. durch den Einsatz von Beauftragten.

Ich habe bereits begonnen, für den Seniorenbereich einen „Beauftragten für die Senioren“ zu ernennen und bereits bei der ersten Anfrage auch einen gefunden. Er wird bei der nächsten Sitzung des Gesamtvorstandes ernannt. Weitere Beauftragte, z.B. für die Jugendbildung werden noch gesucht.

Hier sehe ich einen Weg, Funktionäre zu gewinnen, die sich in die ehrenamtliche Arbeit mit vorerst „kleinen Arbeitsfeldern“ einarbeiten können. Vielleicht erkennt der ein oder andere seine Befähigung für höhere Aufgaben und stellt sich auch der ehrenamtlichen Arbeit in größerem Umfang.

Welche Rolle spielen die Bezirke des BJV bei der vor Ihnen liegenden Arbeit?

Die Bezirke spielten für mich bereits seit 1996, da wurde ich Vizepräsident, eine große Rolle. Denn ich war damals und bin heute noch der Meinung, ohne Einbindung der Bezirke geht nicht viel.

Bereits vor zwölf Jahren musste ich erkennen, wie schwierig das ist. Und heute haben wir eine Spannweite der Zusammenarbeit zwischen mangelhafter und sehr guter Zusammenarbeit. Ich bzw. wir werden uns in vielen Bereichen um eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Bezirken bemühen. Allerdings nicht mehr um jeden Preis. Wir werden in dem einen oder anderen Fall auch mal NEIN sagen müssen.

Allerdings muss ich auch an die Klausurtagung im September 2007 erinnern. Hier haben sich die anwesenden Bezirksvertreter sehr offen gezeigt und sich sehr gut für eine gemeinsame Zukunft im Interesse des BJV eingebracht.

Es wird über ein angespanntes Verhältnis zwischen Ihnen und einigen BJV-Funktionären gemunkelt. Wie wollen Sie mit diesen wieder ins Reine kommen?

Im jetzigen Gesamtvorstand, fünf Präsidiumsmitglieder und sieben Ressortleiter, habe ich mit zwei Ressortleitern ein sehr gespanntes Verhältnis. Oder zwei Ressortleiter kommen mit mir nicht zurecht. Das kann man so oder so sehen, je nach Blickwinkel.

In diesen Tagen fand bereits ein Gedankenaustausch mit einem Ressortleiter statt. Mit dem zweiten Ressortleiter bin ich zur Zeit bei der Terminsuche. Ich gehe davon, dass wir das gemeinsam bald zum Positiven regeln.

Wenn Sie einen Wunsch für Ihre nächste Amtszeit frei hätten - wie würde der lauten?

Aus unserer Randsportart Judo eine bekannte und vor allem offene kommunikative Sportart zu machen.

Danke für das Gespräch.

Gert Langrock
BJV-Presseteam

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