Banner
BayernJudo.de: Mit mentalem Training zum Titel
Personen
Samstag, 5.7.2008 - 22:29 Uhr

Im Porträt: Viola Wächter

Mit mentalem Training zum Titel

Das nachfolgende Porträt von Viola Wächter erschien im Juni-Heft des Judo Magazins.

Es ist auf den ersten Blick ein irritierendes Erlebnis vor Beginn eines Wettkampfes: Hektik auf der Matte. Dutzende Judokas versuchen sich hektisch zu erwärmen und auf ihre Weise sich gleichzeitig zu konzentrieren und Aggressivität aufzubauen. Und dann sieht man manchmal am Mattenrand eine Kämpferin abseits. In sich versunken, führt sie so gar nicht zu der Aufgeregtheit auf der Matte passende, ruhige und fließende Bewegungen aus, die in ihrem Bewegungsablauf sofort an fernöstliche Bewegungslehren erinnern. Handelt es sich dann bei dem Wettkampf zum Beispiel um die Deutsche Meisterschaft oder den Otto-World Cup in Hamburg, kann man sicher sein: Das ist Viola Wächter. 21 Jahre. 1. Dan. Deutsche Meisterin.

Über-Kreuz-Bewegung und liegende Acht nennen sich zwei der Übungen, die zum Standardrepertoire der Kinesiologie gehören und die Viola Wächter da typischerweise ausführt. Dass seriös angewendete Kinesiologie, eine aus dem Wissen verschiedener Kulturkreise abgeleitete alternativmedizinische Methode, mehr ist als esoterischer Hokuspokus, leuchtet sofort ein, wenn man sich mit Viola Wächters Werdegang beschäftigt.

In jungen Jahren traten bei ihr Schulprobleme auf. „In der 5. und 6. Klasse des Gymnasiums waren meine Leistungen nicht so der Hit“, deutet sie ihre damaligen Probleme an. Ein Besuch bei einer Kinesiologin bringt Abhilfe. Es geht schulisch wieder aufwärts, und auch die junge Judokämpferin Viola profitiert in zunehmendem Maße von ihrem Zugang zur Kinesiologie. Heute sind die Übungen, neben dem Besuch bei der Kinesiologin vor wichtigen Wettkämpfen, fester Bestandteil: „Die Übungen gehören bei mir dazu wie das Zähneputzen. Andere wechseln vielleicht ihre Unterhosen nicht. Und ich brauche mein Ritual. Sonst würde ich mich unsicher fühlen“, so Viola Wächter. „Ich kann mich ein Stück zurückziehen und bin durch meine Übungen konzentrierter und ruhiger.“

Der Erfolg gibt Viola Wächter Recht. 2006 wurde die damals 19-Jährige Vize-Weltmeisterin der Juniorinnen im Leichtgewicht der Frauen. Ein Jahr später folgte schon der Titel der Deutschen Meisterin, ebenfalls in der Gewichtsklasse der Olympiasiegerin Yvonne Bönisch. Allein dieser Name deutet an, dass Viola Wächters Weg nach oben steinig wird. Schließlich ist die Leistungsdichte im Leichtgewicht allein in Deutschland schon so hoch, dass es konstanter Spitzenleistungen bedarf, um als Kandidatin für die Teilnahme an Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen in Frage zu kommen. Fernziel für Viola Wächter ist London 2012, Nahziel ein fester Platz in der Nationalmannschaft.

Um sich dafür optimal in Form zu bringen, stand nach dem Abitur die Frage: Was tun? Studium, Ausbildung, Sportfördergruppe oder Bundespolizei? Viola Wächter entschied sich nach vielen Gesprächen für die Ausbildung bei der Bundespolizei. Denn dort bekommt sie gleichzeitig eine Ausbildung und abseits der Ausbildungsblöcke genügend Freiraum, intensiv Judo zu betreiben. Den nutzt sie auch mit zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag voll aus. Weiterer Pluspunkt bei der Bundespolizei: Die Polizeimeister-Anwärterin (PMAÂ’in) lebt zu Hause in Oberpfaffenhofen und kann in München oder bei ihrem Heimatverein FC Schweitenkirchen trainieren.

Dort ist auch ihr Trainer Franz Dausch, der sie schon seit ihrer Jugendzeit, damals noch beim TSV Großhadern, begleitet und dem sie vor einigen Jahren nach seinem Abschied aus München auch zum TSV Abensberg gefolgt ist. „Wir sind ein super Team“, so Viola Wächter über ihre Zusammenarbeit. Obwohl sie auch die intensive Zusammenarbeit und Abstimmung mit den Bundestrainern Michael Bazynski und Norbert Littkopf suche, werde doch die Hauptarbeit im Heimtraining gemacht. Dort hat sie mit Franz Dausch ihre Vertrauensperson und in Großhadern gute und motivierte Trainingspartner. Optimale Voraussetzungen für den Weg nach London. Und auch den wird Viola Wächter zurücklegen können wie so oft: ruhig und konzentriert.

Gert Langrock
BJV-Presseteam

[Druckansicht]

SUCHE: