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BayernJudo.de: Teilhaben am Leben
Aus den Bezirken / Oberfranken
Sonntag, 21.12.2008 - 16:06 Uhr

Integratives Training beim Judoclub Münchberg

Teilhaben am Leben

Von einer bemerkenswerten Veranstaltung beim Judoclub Münchberg berichtet Werner Bußler.

Der Gedanke des verantwortungsbewussten Umgangs miteinander, das gegenseitige Helfen, der Respekt und das Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen ist die Philosophie der Sportart Judo, in der es keine Gegner, sondern nur Partner gibt. Dieser Idee fühlt sich der Judoclub Münchberg verpflichtet. Und dies war auch der Antrieb, weshalb er im September Judokas aus dem baden-württembergischen Stetten eingeladen hatte.

Es handelt sich um Sportler, die auf Wettkämpfen schon viele Medaillen gewonnen haben, allerdings in einer speziellen Klasse, nämlich in der der Behinderten. Dabei starten sie für den KSV Esslingen, dessen erste Mannschaft in der Bundesliga antritt. In Münchberg trainierten nun 16 geistig Behinderte und vier mitgereiste Betreuer mit Akteuren des hiesigen Judoklubs.

Für alle Sportler wurde dies zum Erlebnis, denn wie Vorsitzender Udo Skaper feststellte, könne man von den Gästen sich viel abgucken, was den Umgang untereinander oder auch die Zufriedenheit mit den erreichten Ergebnissen angeht. Und für seine Klubmitglieder ist es auch eine wichtige Erfahrung, wenn sie lernen ganz normal mit Menschen umzugehen, die behindert sind.

Den Kontakt mit der Diakonie Stetten, in der die Gäste betreut werden, hatte Günter Wunderlich, ein Münchberger Sportler, der dort beruflicht tätig ist, hergestellt. Seit 15 Jahren wird in dieser Einrichtung dem Hobby Judo gefrönt. Sabine Hammer, eine sozial engagierte Lehrerin, setzte sich seinerzeit dafür ein und begeistert nach wie vor ihre Schützlinge, die beim wöchentlichen Training mit Eifer bei der Sache sind.




Bild vom gemeinsamen Training der behinderten und nicht behinderten Sportler

Sie nehmen regelmäßig an den in zweijährigen Turnus in Deutschland stattfindenden Special Olympics für Geistig Behinderte teil, die von der Diakonie Stetten auch schon ausgerichtet wurden und holten dort viele erste, zweite und dritte Plätze. Doch für die gehandicapten Sportler zählt tatsächlich in erste Linie der Spaß an der körperlichen Ertüchtigung und sie freuen sich auch ehrlich über das Mitmachen, auch wenn andere Teilnehmer auf dem Siegerpodest stehen. So war es auch beim diesjährigen Wettbewerb in Stuttgart (2010 ist übrigens Bremen Gastgeber dieser Spiele).

Beim Länderkampf der Behinderten Baden-Württemberg gegen Bayern vertraten die Stettener übrigens schon die Farben ihres Bundeslandes. Von der Freude der jungen Leute an ihren Sport wurde auch ein erfahrener Judoka, der schon zahlreiche Erfolge feiern konnte, angesteckt. Daher schult nunmehr zusätzlich ein Routinier, der seit fast 50 Jahren Trainer ist und als Aktiver Einzelerfolge feiern konnte und mit der Mannschaft des SV Fellbach süddeutscher Meister war, die Behinderten. Allein sein Name prädestiniert ihn, zu einer Visite in der Pulschnitzstadt: Manfred Münchberg. Der bekannte Judoka, der mit 69 Jahren noch auf der Matte fit ist, erzählt, wie er Betreuer der Behinderten wurde.

Wegen eines hervorragenden Kräuterbratens, den es immer zu einem Fest gibt, schaute er in der Diakoniestation vorbei, als er dort Judomatten liegen sah, kam er mit den Verantwortlichen ins Gespräch und erklärte sich schließlich bereit, bei den Übungsabenden seine Erfahrung einzubringen. „Ich musste vom hohen Ross herunter und mich auf das Level der Behinderten begeben, die manchmal anders reagieren. Aber diese Arbeit macht mir nach wie vor unheimlich Spaß und die Schützlinge sind immer dankbar.“

Beim Besuch in Münchberg leitete Manfred Münchberg gemeinsam mit Steffen Skaper, die beide von Sabine Hammer und Mamite Beja assistiert wurden, das mehrstündige Training. Doch nicht nur Sport stand auf dem Programm, auch die Erkundigung der Gegend und gemeinsame Aktionen waren angesagt, schließlich sollte das Treffen, das unter dem Motto „Teilhaben am Leben“ stand, dazu beitragen, bei diesen Begegnungen eventuelle Ängste im Umgang miteinander abzubauen. Die Behinderten, so Organisator Udo Skaper, sollten nicht als Außenseiter betrachtet, sondern in die Gesellschaft integriert werden.






Im Dojo (Übungshalle) entstand dieses gemeinsame Gruppenfoto mit den behinderten Judokas von der Diakonie Stetten, die übrigens mit der gleichen Ausrüstung wie die Bundesligamannschaft ihres Vereins KSV Esslingen ausgestattet sind und aktiven Mitgliedern des Judoclubs Münchberg

Die Gäste zeigten sich begeistert von der Gastfreundschaft der Münchberger, für sie war es etwas ganz Besonderes, da sie erstmals, und das gleich für ein ganzes Wochenende, von keinem Versehrtenverein eingeladen wurden. Aber auch für die einheimischen Sportler war diese Begegnung sicher ein Gewinn. Gerne nahmen sie das Angebot zu einem Gegenbesuch an, bei dem die Möglichkeit besteht, mit dem Kader des Erstligisten KSV Esslingen zu trainieren und einen Bundesligakampf zu verfolgen.

An diesem Wochenende wurde in Münchberg das Prinzip des Judos auf jeden Fall gelebt.




Wie sie bei der Begegnung von gesunden und behinderten Sportlern einen Spagettiwurf zeigen, demonstrierten hier Trainer schon mal vor der Kamera. In der Mitte sind Manfred Münchberg und Steffen Skaper zu sehen, rechts außen Sabine Hammer von der Diakonie Stetten, ganz links beobachtet der Vorstand des Münchberger Judoklubs, Udo Skaper, das Geschehen

Werner Bußler
Frankenpost

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