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BayernJudo.de: Bayreuther Festspiele
Sportgeschehen
Montag, 5.1.2009 - 02:42 Uhr

Rückblick DEM 2008: Aus dem "Judo Magazin" 12/2008

Bayreuther Festspiele

Einmal mehr nutzten junge Athleten die Deutschen Meisterschaften, um die Bundestrainer auf sich aufmerksam zu machen. Doch nicht alle kamen an den Favoriten vorbei.

Es war wie so oft in den letzten Jahren bei Deutschen Meisterschaften. Die deutschen Top-Athleten genehmigen sich größtenteils ein freies Wochenende und überlassen ihren Konkurrenten den Kampf um die nationalen Meistertitel. So waren von den Olympiastartern in Bayreuth nur Michael Pinske, Andreas Tölzer und die Paralympionikin Ramona Brussig auf der Matte. Für Schwergewichtler Andreas Tölzer (Mönchengladbach) lohnte sich der Einsatz, denn er kam zu seinem zweiten Meistertitel nach 2006. Der Berliner Michael Pinske schaffte es immerhin bis ins 90 kg-Finale, wo er seinem Freund Robert Zimmermann (Frankfurt/Oder) knapp unterlag. Für Ramona Brussig war nach zwei Niederlagen in der Trostrunde Schluss.

Doch das Fehlen andere Olympiastarter machte die Meisterschaft nicht weniger spannend. Seien es das gelungene Comeback des Potsdamers Mario Schendel, die hochklassigen Kämpfe in fast allen Frauen-Gewichtsklassen, bei denen am Ende die international erfahrenen Athletinnen die Nase vorn behielten, oder mancher Favoritensturz, wie ihn zum Beispiel Robert Zimmermann im 90 kg-Finale oder Frank Conrad im 81 kg-Viertelfinale am Berliner Sven Maresch vollführten. Der 21-jährige Leipziger hatte einfach einen guten Tag. Nach zwei Auftaktsiegen stand er im Viertelfinale dem Ole Bischofs Olympiaersatzmann gegenüber. Maresch kam mit Conrads ungestümer Kampfweise überhaupt nicht zurecht. Der angehende Polizist, vor Kurzem noch aus dem DJB-Kader ausgeschieden, stand nach einem weiteren Sieg im Finale Dennis Huck (JC Ettlingen) gegenüber. Dort gelang Frank Conrad die erste Wertung, ein Yuko, die er sich aber durch unnötige Bestrafungen wieder zunichte machte. Huck kam immer besser in Fahrt und konnte mit dem Schlussgong noch einen Ippon erzielen. Doch blieb bei den Zuschauern, wie auch bei vielen anderen Kämpfen, der Eindruck, dass kein Favorit vor jungen Kämpfern mehr sicher ist. Diese nutzten ihre Chance, Bundestrainer Detelf Ultsch auf sich aufmerksam zu machen, nach Kräften.

Für Ultsch, der - bedingt durch zusätzliche Bedenkzeit nach einem „sehr starken Angebot“ für eine Tätigkeit als russischer Nationaltrainer - erst am Rande der Meisterschaft den DJB-Offiziellen die Zusage für den Bundestrainer-Posten gab, war die Meisterschaft denn auch ein „erster Überblick über den Kader“. Da aber einige Spitzenathleten der Männer und aus dem U20-Bereich fehlten, mochte Detlef Ultsch auf weitere Schlüsse aus den Ergebnissen der Meisterschaft verzichten. „Wir haben Anfang 2009 wieder Deutsche Meisterschaft und werden sehen, ob sich die gezeigten Leistungen dort wiederholen.“ Insgesamt gab der Bundestrainer dem sportlichen Niveau der Männerkämpfe das Prädikat „mittelprächtig“ und verwies auf die U20-Weltmeisterschaft in Bangkok, bei der ein höheres Niveau zu besichtigen gewesen sei als bei diesen Titelkämpfen. „Das ist bedenklich und es zeigt die Schwierigkeit der Aufgabe.“

Das Fazit des künftigen Frauen-Bundestrainers Michael Bazynski fiel ähnlich aus. „Es war klar, dass es einige Lücken in den Listen gibt und große Namen fehlen.“ Aber für eine Standortbestimmung und die Sichtung neuer Talente taugte ihm die Meisterschaft allemal. „Ich habe mich gefreut, dass Athletinnen wie Riccarda Rau wieder gesund und fit sind, aber auch, dass viele junge Athletinnen Medaillen geholt haben.“ Doch sein Blick reichte auch schon über das Jahr hinaus, denn es boten sich viele Spitzenathletinnen an, aber vom bisherigen Nationalteam werden fast alle Kämpferinnen weitermachen, wenn auch wie Anett Böhm und Yvonne Böhnisch zum Teil in einer neuen Gewichtsklasse. Dann werden ihre Gesundheit und das „Feuer“, das die gestandenen Kämpferinnen noch versprühen, ihren weiteren Weg bestimmen. Es werde also einen „eher schleichenden Übergang“ im Kader geben, so Bazynski.

Gert Langrock
BJV-Presseteam

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