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BayernJudo.de: Trainingsaufenthalte in Tenri und Tokai
Sportgeschehen / Verschiedene
Mittwoch, 24.6.2009 - 15:50 Uhr

Japanreise des weiblichen BJV- Kaders

Trainingsaufenthalte in Tenri und Tokai

Schon lange war eine Japanreise des Bayerischen Judo-Verbandes geplant. Nun wurde entschieden, dass die Mädchenmannschaft des Bayernkaders mit Landestrainer Lorenz Trautmann und weiblicher Betreuung Jeanette von Mauch einen zweiwöchigen Trainingsaufenthalt in den Pfingstferien bei den Mannschaften aus Tenri und Tokai verbringen können.


Die Koffer waren gepackt. Alle Mädchen standen am Montag, den 01. Juni 2009, mit ihren Eltern abflugbereit am Flughafen. Nach letzten Verabschiedungen ging es zum Check-In der Fluggesellschaft Emirates. Nachdem bereits eine Woche vorher alles Grundlegende besprochen wurde, verlief das Einchecken relativ flott und nach einem dreistündigen Aufenthalt in der Wartehalle des Münchner Flughafens stand der Jumbo zum Abflug bereit. Der Flug wurde nach etwa sechs Stunden durch einen Zwischenstopp in Dubai dazu genutzt, sich ein wenig von der Flugstarre zu befreien. Gegen Mitternacht war der Anschluss nach Osaka geplant und die Müdigkeit war zu dieser Zeit greifbar. Nach einem insgesamt ca. 16 Stunden langen Flug war die Judomannschaft schließlich sicher und gut versorgt durch die Crew von Emirates, in Osaka gelandet. Dort wurde sie auch bereits von Günther Romenath – ehemaliger Sportdirektor des Deutschen Judobundes- in der Eingangshalle erwartet, welcher von Gerd Egger als Reiseführer organisiert worden war. Ein bereitgestellter Bus brachte mit einigen ersten Einblicken in die japanische Landschaft alle Mädchen in die Herberge der ersten Universitätsstadt Tenri. Nachdem die Zimmer verteilt und bezogen waren und alles Organisatorische besprochen war, stand bereits der erste Ausflug an. Herr Romenath, der in Japan schon gelebt hat und dadurch mit dem Land sehr vertraut ist , reservierte in einem japanischen Schnellrestaurant einige Plätze, um der Mannschaft schon jetzt einen Eindruck von der japanischen Küche verschaffen zu können. Durch die relativ große Auswahl wurden auch die weniger begeisterten „japanisch Esser“ relativ satt und der Rest des Abends verlief sehr gemütlich.


Am nächsten Tag (Dienstag) wurde bei europäischem Frühstück mit Toast und Orangensaft die Planung der Woche besprochen. Nach dem Frühstück war ein Ausflug in die kleine Innenstadt Tenri geplant, der durch einen Einkaufsbummel im 100 Yen-Shop (ca. 90ct) unterstrichen wurde. Da Tenri auch die wohl bekannteste Wallfahrtstadt Japans ist, war es sozusagen Pflicht, den größten Tempel der Stadt bereits am ersten Tag zu besichtigen. Mit vielen Eindrücken ging es am Nachmittag wieder zurück in die Herberge, damit sich die Mädels für das erste Training unter japanischer Führung fertig machen konnten. Gegen 16.00 Uhr standen alle mit ihren Judoanzügen und einer Kampffrisur in der Eingangshalle bereit. Mit einem mulmigen, aber auch neugierigen Gefühl ging es zu dem nicht weit entfernten Dojo der Universität. Ein relativ unspektakulärer Empfang – das lag daran, dass die Japaner es bereits gewohnt sind, dass deutsche Judokas mit trainieren - verhalf zu einem unerwartet guten Einstieg. Die Athletinnen kamen sehr gut mit den Techniken der Japaner zurecht und das Training verlief ohne - zunächst unwissend - gravierende Verletzungen. Nach eineinhalb Stunden war das traditionelle, nicht all zu anstrengende Japanertraining auch schon wieder zu Ende und nach dem Abendessen sanken die Mädels in den wohlverdienten Schlaf. Tag zwei begann mit dem eingeführten Frühtraining des Landestrainers nach dem Frühstück. Nach vier Stunden Regeneration stiegen die Judokas fit und munter in das zweite Training um 16.30 Uhr ein.

Die weitere Planung der Woche war bezüglich des japanischen Trainings relativ ähnlich verlaufen und konnte mit sehr guten Erfolgen, vielen blauen Flecken und Verbesserungen abgeschlossen werden.


Einer der vielen Höhepunkte in der ersten Woche war der Geburtstag unsers Landestrainers Lorenz Trautmann, der am Donnerstagmorgen mit einem Happy-Birthday-Lied am Frühstückstisch von der kompletten Mannschaft, seiner Frau und Tochter empfangen wurde.






An diesem Tag war auch ein Ausflug in die Stadt Kyoto geplant, die den Mädels einen weiteren Eindruck der japanischen Kultur vermittelt hat. Mit viel Begeisterung wurde die Zugfahrt am Abend nach Tenri angeplant. Die Stadtbesichtung von Nara am darauffolgenden Tag schloss die erste Trainingswoche ab und die Mannschaft reiste am frühen Morgen des nächsten Tages mit dem Zug weiter nach Tokai.

Nach sieben Stunden Fahrt wurden umgehend die Zimmer bezogen, um sich von der langen Reise ausruhen zu können, da bereits gleich am Anreisetag das erste Training mit der Mannschaft aus Tokai anstand. Da auch sehr viele Olympiasieger aus dieser Universität stammen, stand von Anfang an fest, dass das Training hier sehr viel stärker ist, als in Tenri. Einige des Bayernkaders waren auch deshalb zunächst an ihre Grenzen gestoßen, da auch der Trainingsaufbau einen heftigen Unterschied zu der Universität Tenri aufwies. Die Trainingsdauer beschränkte sich nicht wie üblich auf zwei Stunden, sondern hier war die Regel, dass eine Trainingseinheit bis zu dreieinhalb Stunden dauerte. Das Aufwärmtraining war bereits von sehr vielen Dehnübungen und Uchikomiwiederholungen geprägt. Danach begann das Randoritraining. Judokas, die einen Wettkampf hatten, bekamen einen roten Gürtel um die Hüften und mussten ohne größere Unterbrechungen und Pausen zunächst ca. sieben Randori`s am Stück durchtrainieren. Und so war es auch bei den Mädels aus Bayern. Außer Puste und mit mächtigem Kraftverlust ging es schließlich zu weiteren zehn Randori`s, die aber nun von den Japanern als Aufforderer an den Rest der wartenden Judokas an der Matte bestritten wurden. Alle deutschen Athletinnen waren von Lorenz Trautmann dazu verpflichtet, mindestens noch fünf Kämpfe zu bestreiten. Ein abschließendes Bodentraining mit 20 Minuten Ippon Changerandori rundete das erste Training ab.

Am Rande der physischen Belastbarkeit wurde das Training beendet und der weitere Verlauf der noch bevorstehenden Trainingseinheiten stand nun fest. Jede bayerische Kämpferin wird an ihr Limit stoßen, jedoch viel dazulernen, das stand fest. Lorenz Trautmann, der von der Trainingsweise in der ersten Woche etwas überrascht war, wurde nun in seinen Vorstellungen von einem japanischen Training bestätigt und war sich klar, dass vor allem die etwas jüngeren Athletinnen eine sehr anstrengende Woche vor sich haben werden. Nach der Abschlussbesprechung zum Training fielen schließlich alle völlig ermattet ins Bett.


Tag drei der zweiten Woche begann wie üblich um 0.00 8Uhr mit einem Frühstücksbuffet und wurde durch ein Regenerationstraining begonnen. Am Abend stand wieder das japanische Training im Vordergrund.

Der Rest der Woche verlief ähnlich. Durch viele Ausflüge, u.a. auch nach Tokio am vorletzten Tag, konnte ein gutes Kontrastprogramm ermöglicht werden, damit das Training am Abend unter höchster Konzentration absolviert werden konnte.
Am Samstagvormittag wurde das letzte Training leider mit einer Verletzung beendet. Ein nun diagnostizierter Kreuz- und Innenbandriss, sowie die Verletzung in Tenri haben den gewünschten unfallfreien Trainingsaufenthalt getrübt. Das noch geplante Techniktraining am Nachmittag wurde abgesagt und auch der geplante Partyabend in der Innenstadt Tokios wurde nicht mehr verwirklicht.


In gedrückter Stimmung wurde die Abreise am Sonntagmorgen zum Flughafen Osaka angetreten. Zunächst mit der japanischen S-Bahn nach Odawara. Erst gegen Abend war die Weiterreise zum Flughafen geplant, da der Check-In ab 20.00 Uhr bevorstand. Am Flughafen wurden noch die letzten Postkarten verschickt und um 22.30 Uhr startete das Flugzeug in Richtung Dubai. Ein wiederum 4-Stunden-Aufenthalt am Flughafen in Dubai wurde wie bereits beim Hinflug zum Füße vertreten genutzt. Erst um halb acht am Morgen war die Weiterreise der Fluggesellschaft Emirates nach Deutschland geplant. Der Flug verlief sehr in ruhiger Stimmung, da die Stunden meist zum Schlafen genutzt wurden. Erst um 12.30 landete das Flugzeug am Münchenern Flughafen. Ziemlich erschöpft passierte jeder den Zoll, um die bereits wartende Familie in die Arme schließen zu können. Nur die verzögerte Gepäckausgabe trennte die Mädels noch vor der nun doch ersehnten Heimfahrt. Nachdem schließlich doch noch alle ihr Reisegepäck in den Händen hielten, beendete eine herzliche Verabschiedung untereinander die lange und erlebnisreiche, beeindruckende und erfolgreiche Reise.

Christiane Weidendorfer
Athletin

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