Dienstag, 26.6.2012 - 22:52 Uhr

Danke, Bianca Mederer!

„Ich würd’s wieder machen“

Fast 10 Jahre lang stand Bianca Mederer als Vize-Präsidentin im Bayerischen Judo-Verband in vorderster Reihe. Ein halbes Jahr nach ihrem Rücktritt vom Amt wird es höchste Zeit, auch ihr Danke zu sagen.

„Das ist doch nichts für ein Mädchen!“ Die Bestürzung der Mutter war groß und es flossen sogar Tränen. Die neunjährige Bianca hatte ihr gerade erklärt, dass sie jetzt zum Judo ginge. Ihr Vater hatte sie auf die Idee gebracht, es doch einmal im Judo zu probieren.

Und es gefiel ihr beim Judo. Auch die Mutter bemerkte mit der Zeit, dass Bianca Mederer bei den Judokas der DJK Neumarkt gut aufgehoben war.

Ihrem Verein ist sie über die Jahre immer treu geblieben, anfangs als Sportlerin, später dann auch als Übungsleiterin, übrigens bis zum heutigen Tage. Dabei stand sie mit Anfang 20 vor der Frage: Wie weiter im Judo? Sollte sie aufhören? Oder welche anderen Möglichkeiten gab es, Judo zu betreiben?

Sie entschied sich, dem Judo treu zu bleiben - als Kampfrichterin. Und damit öffneten sich neue Wege. Nicht nur für die Kampfrichterin Bianca Mederer, die 2000 die DJB-B-Lizenz und 2003 die DJB-A-Lizenz erwarb. Als vor dem Verbandstag 2002 der damalige BJV-Vizepräsident Gerhard Fleißner ein Team zusammenstellte, mit dem er als BJV-Präsident kandidieren wollte, gewann er neben Raimund Kronawitter auch Bianca Mederer als Kandidatin für den Vize-Präsidenten-Posten.

Nach der Wahl stürzte sie sich begeistert in die Arbeit. Obwohl sie bis dahin „nullkommanull in der Verbandsstruktur drin steckte“, erarbeitete sie sich schnell einen guten Über- und Einblick in ihre Themen. Dabei stieß sie am Anfang noch auf wenig Akzeptanz: Die „Neue“! Eine Frau!

Doch im Lauf der Zeit lernten auch die Gewohnheitskritiker Bianca Mederers Stärken zu schätzen. Ihre menschliche, aber auch zielstrebige Art und die Vertrautheit auch mit Details des Verbandslebens. Ebenso ihre Fähigkeit, sich um das Drumherum mancher Dinge zu kümmern, aber verantwortlichen Ressortfunktionären oder Trainern nicht zuviel in ihre Tätigkeiten hineinreden und deren Arbeit an sich ziehen zu wollen.

Es gelang, weil „wir in den ersten Jahren als Präsidium ein super Team“ waren. So konnten allerlei Verkrustungen aufgebrochen und der BJV ein gutes Stück vorangebracht werden.

Auch der menschliche Gewinn blieb für sie nicht aus. „Es war toll, als wir merkten, dass wir in Ruhe arbeiten konnten. Niemand meckerte und alle freuten sich, dass es voranging.“ Und: „Ich fand auch die Zusammenarbeit mit anderen super, auch mit den Trainern und den Stützpunkten.“

Es gab viele Dinge für die Bianca Mederer die Federführung übernommen hat. Angefangen von der Strukturierung und Betreuung der Stützpunkte in Nordbayern, Betreuung der Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg, des OSP München sowie der Trainer, Übernahme des Ehrungswesens im Verband, Leitung und Organisation der Präsidiums- und Gesamtvorstands-Sitzungen, Neueinführung von Trainertrainings und des Spitzentrainerseminars, Durchführung von Nordbayernrandoris sowie der DJB Top Tour bis hin zur Erstellung eines Strukturplans als Nachschlagewerk für alle Judoka. Desweiteren hatte Bianca immer ein offenes Ohr für die Belange der ihr „zugeordneten“ Ressorts Jugend weiblich, Medien, Kampfrichterwesen und der Bezirke.

Neben den oben genannten Aktivitäten hat sie die Organisation der Deutschen Meisterschaften in Bayreuth sowie die Erstellung des BJV-Regionalkonzeptes aktiv mit begleitet und viele weitere kleinere und größere Aufgaben übernommen.



Bianca Meder mit Olympiasieger Ole Bischof bei der Deutschen Meisterschaft in Bayreuth 2008


Doch im Laufe der Jahre machten sich Abnutzungserscheinungen des einstmals gut eingespielten Teams mehr und mehr bemerkbar. Die Hoffnung auf einen Neuanfang und gleichzeitig ein Zurück zur alten Harmonie und Produktivität nach dem Verbandstag 2010 mit dem neuen Präsidenten Raimund Kronawitter währten jedoch nur kurz. „Anfangs war es sehr angenehm“, so Bianca Mederer. Doch „im Nachhinein waren es die schrecklichsten Jahre im Verband für mich“, erinnert sie sich an die Zeit, als rund um die leidige Spendenangelegenheit das Klima unter Funktionären und anderen Judokas immer vergifteter wurde und dies ihr zunehmend die Freude am Ehrenamt vergällte. Gerade, weil auch gegenseitige Wertschätzung für Bianca Mederer stets besonders wichtig war. Sie fehlte nach ihrem Empfinden, als sie sich Ende 2011 zum Rücktritt entschloss.

So ging eine fast zehnjährige erfolgreiche Tätigkeit mit einem Missklang zu Ende. Spricht man heute mit ihr darüber, so ist zu spüren, dass eine so lange Zeit nicht in wenigen Monaten abgeschlossen sein kann. Dazu hat es doch zu viel Freude gemacht. Die klingt auch in ihrem Fazit durch.

„Ich sehe die Zeit total positiv. Wir haben viel erreicht“, meint Bianca Mederer. „Ich habe viele interessante Leute kennengelernt, es haben sich auch Freundschaften entwickelt. Ich kann so ein Amt auch jedem empfehlen. Man kann tiefer in eine Sache einsteigen, bekommt einen großen Einblick, kann was bewegen und bekommt auch viel zurück.“ Also kein Blick zurück im Zwiespalt oder Zorn? „Nein. Ich würdÂ’s wieder machen.“


Auch dafür, für Deine positive Sicht, Deine Menschlichkeit im persönlichen Umgang und Deine vielen Verdienste um den BJV: Danke, Bianca!

Gert Langrock
BJV-Presseteam


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